Band 
Dritter Band.
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Geistliche Dichtung.

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Maigesänge, kindliche nnd schmachtende Schäserlieder, Anklänge anVolkslieder, Alles ist hier wie dort. Aber die Leichtigkeit Spee's fehlt;wo dort poetische Bilder und Gedanken sind, sind hier Gemeinplätze;nicht einmal der Ton der Tändelei und Naivetät gelingt ihm. Wiewenig kommen diese Einem Bilde und Einer Form zu Gefallen gedich-teten Gesänge an Innigkeit einem Gerhardischen Liede gleich! Man stelleScheffler's Jesus in der Krippe, einen Gegenstand, über den sogroße Gegensätze in Hülle und Fülle verbreitet waren, neben Gerhard'sBehandlung desselben Stoffes, wie arm wird sich Scheffler ausnehmen!Man vergleiche sein „O allerschönstes Angesicht" mit dem gleiches ent-haltenden „O Haupt voll Blut und Wunden", wie platt wird jeneserscheinen! Man halte den ganzen Eindruck dieser Psyche gegen den,welchen Andreas Gryphius' geistliche Gedichte machen, wie sehr wird erverschwinden! — Berühmter als die Psyche ist der cherubinische Wan-dersmann, oder, wie der Titel in der seltenen ersten Ausgabe lautet, die„geistreichen Sinn und Schlnßreime" (Wien 1657). Für ihre Verbrei-tung ist auch in hierarchischer Thätigkeit, scheint es, mehr gesorgt worden;man hat z. B. solche Sprüche von Scheffler auf Karten gedruckt und zueiner „geistlichen Lotterie" hergerichtet. Das Werk ist eine Sammlungmystischer Sinngedichte die zur göttlichen Beschaulichkeit anleiten sollen.Abgesehen von der Anregung, die Scheffler von befreundeten Zeitge-nossen^) für die formelle Behandlung erhalten haben konnte, kehrenwir hier dem Stoffe nach ausdrücklich zu der Weisheit der Tauler,Ruysbroek, Bonaventura und Aehnlicher zurück, deren schärfere SätzeSchefflern zu seinen epigrammatischen Zwecken am geschicktesten waren:er fand seine Paradoxen dort schon zugespitzt und brauchte sie nur zureimen. Der Leser wird sogleich sehen, daß wir wirklich hier wie beiSudermann 360 Jahre zurückgehen und die damalige Weisheit um keinHaar verändert wiederfinden. Mit der Gottwerdung der Seele, erinnertScheffler, ist es nach Tauler's und jener Männer Zeugniß so gemeint,nicht daß die Seele ihre Geschaffenheit verlieren könne, und in Gott odersein un geschaffnes Wesen verwandelt werden, sondern dies ist derSinn der Vergötterung, daß die Seele soll mit dem göttlichen Wesenüberformt und eins werden; so daß man im ewigen Leben nichts an derSeele sehen wird, als Gott, weil sie von ihm und seiner Herrlichkeit

208) Kahlert a. a. O. S. 5S ff. theilt einiges aus und über die »»gedrucktenmoaoüisUeba sexeouta sagientmu (IK53) von Dan. v. Czepko mit, eines Mitbe-freundeten von Franckenberg, die Scheffler gekannt haben konnte, und die nach Inhaltund Form dessen Sprüchen sehr ähnlich sind.

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