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Dritter Band.
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Eintritt des Kunstcharakters der neueren Zeit.

von seinen eigensten mystischen Lehren so bewährt, daß man von daaus an eine innere Ueberzeugung bei jenem Lebensacte überschließenmöchte; es müßte denn eine solche träumerische, grundsatzlose Ueber-zeugung sein, die mit der ganz eigenthümlichen klaren Unklarheit allerMystiker vielleicht verträglich ist. Die das Heil dieser unteren Welt imHerzen tragen, denen steht es an, ihre Meinungen auch im bitterenKampfe feindlich gegen Feinde zu verfechten, aber wie kann es sein, daßein Geist, „den ihrer Zunft die Götter einverleiben", der die Abwendungvon allem „Zufälligen" und die Vereinigung mit der Gottheit zum Kernseiner Lehre machte, „liebt also Stank für Kraft und Wolken für denSchein"? Diese Polemik ist ein um so größerer Beweis von Charakter-schwäche, als Scheffler offenbar von seinen neuen Glaubensgenossen dazugestachelt ist, da in seiner ursprünglichen Natur so wenig Leidenschaftlich-keit gelegen war, daß man daraus sogar folgern wollte, es könne derPolemiker Scheffler unmöglich Eine Person mit dem Dichter AngelusSilesius sein ^). Denn wahr ist es, daß in seinen Dichtungen, dietheilweise lange vor seinem Bekenntnißwechsel entstanden sein mochten,Scheffler nichts gegen das Lutherthum Feindliches hat, obwohl man mitNeumeister darum nicht sagen würde, daß kaum etwas Katholisches darinzu finden sei. Luther würde darin seinen Geist und seine Meinung nichterkannt haben. Die Turteltaubenseufzer in der „heiligen Seelenlnst, oderGeistl. Lieder der in ihren Jesum verliebten Psyche" (1657) würden ihmein Heidengreuel gewesen sein. Wie weit er auch die Absicht Scheffler'sgebilligt haben möchte, die geistliche Liebe an die Stelle der weltlichen inder Poesie zu rücken, die Schäferdichtungen zu verdrängen und nur Chri-stus als den holdseligsten Daphnis, den Preis aller Schäferinnen zubesingen, doch würde er nicht Lieder gebilligt haben, in denen Cupidomit seinen Narrenpfeilen geheißen wird sich wegzupacken, nur damitnachher der bethlehemitische Knabe in seinem Kostüm als Liebesgott auf-treten könne, um die Seele zu verwunden. Er würde nicht gern gesehenhaben, daß alles Schriftmäßige aus diesen Liedern bis auf die Anklängean das hohe Lied getilgt ist. In einigen dieser Gesänge ist eine allgemeinchristliche Färbung und gesündere Natur, die sie selbst den Evangelischenangenehm gemacht hat; besonders treffliche Poesie kann man, im Ganzenbetrachtet, nicht darin finden. Scheffler ist sichtbar angeregt von Spee;das Bild von der liebenden Seele geht fast überall durch; jene Liedervoll von Benennungen und Ehrentiteln erscheinen auch hier; klingende

207) W. Schrader, A. SilefiuS und seine Mystik. Halle 1853.