Band 
Dritter Band.
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Eintritt des Kunstcharakters der neueren Zeit.

die Gedichte eines Mannes lauten, in dem eine sanfte Schwernuth jenenVorstellungen entgegen kam, der in sich schon empfänglich wr für jenedüsteren Ansichten, daß Leid unsre Wonne, Regen unsre Smne, Todunser Lebeil sei, ehe er sie von außen her empfing. Dann ekennt manzugleich, wie gerade der innigst Empfindende jenem geistlichenSpielwerkder schmachtenden Andacht mit seinem gesunden Sinne nur gebgentlichenZugang geben kann, und wie er dem Uebermaß des Schrecks und derVerzweiflung gefaßten Sinn entgegenzusetzen hat, während kr bezahlteDichter auf Bestellung hinreimte, was er weder empfindet roch dessenBedeutung zu überdenken er sich nur die Mühe nähme. Abe dies wardas Unglück aller dieser Poeten, daß von dem alten Handnerksgesaugzu viel in ihnen hängen blieb. Wie Rist und Heermann, so dchtete auchNeumark geistliche und weltliche Lieder je länger und je nehr, destoschlechter und herzloser. Begnügt man sich aber unter seinen kirchlichenjene früheren auszusuchen, die er vom Vaterland entfernt gelingen undeomponirt hat, als „Thränen und Sorgen sein tägliches Frühstick" waren,und die von lebendiger Bewegung des Gemüths ausgingen, so wirdeiner sich leicht ergriffen fühlen von der anspruchlosen Art eiies beschei-denen Mannes, die noch dadurch erhöhet wird, daß er als !gie keinenProphetenton anstimmt, wie es denn in Gerhard's Liedern nicht daskleinste Verdienst ist, daß er den Geistlichen nicht so merken lält. Sprichtaus Gerhard ein gefaßtes Gemüth, so aus Neumack ein gedudig leiden-des. Die Last die ihn drückt, trägt Gott mit ihm, und es ckarakterifirtihn wohl, daß er in allem Kreuz und Leid ein wenig stille zu halten unddoch in sich selbst vergnügt zu sein empfiehlt, in jenem Liede „wer nurden lieben Gott läßt walten," das schon zu seiner Zeit als Tolkseigen-thum unter verschiedenen Namen umgetragen ward, und das wir nochAlle kennen. Nichts ist in ihm von dem überhobenen Zierweck oder demunprotestantischen Wesen; viele seiner gottseligen Lieder sind ncht einmalkirchlich, sondern nur moralisch zu nennen, was er selbst sehr zut weiß.

Bei Rist und Heermanu stecken die Vorstellungen und Blder, mitdenen man sich seit dem Aufsuchen der alten Kirchenvater trug, nur ihrealte Manier an; die neuen Dinge erhielten keine neue Gestalt, wie sieihnen anpaßte. Es gibt andere Dichter, die sich zwischen de alte ein-fältige Dichtungsart und die neuere, weltlichere, künstlichere heilen undin denen wir den treuen lutherischen Sinn immer nicht verkenren dürfen.Dahin gehört Bucholz. Er hat sich in seinen Hausandach en (1663)der möglichsten Einfalt der Redeart beflissen, gerade weil er sah, daßdie meisten kirchlichen Schreiber ihre Lieder mehr den Gelehrten stellten,