Geistliche Dichtung.
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als den Unwissenden. Es ist dies ein Erbauungsbuch mit eingestreutenGesängen, die absichtlich etwas lang gemacht sind, weil man zu Hausegemeiniglich Lust zu langen Gesängen trage. Diese Lieder sind zwarreicher an Bildlichkeit als Rist's, die Lehre knüpft sich an Sachen, dieBetrachtung an Anschauung; doch sind sie im Allgemeinen Plan gehaltenund weniges geht darin aus der hergebrachten lutherischen Weise heraus:viele sind sogar noch Gelegenheitslieder auf Verrichtungen und Lebens-lagen. In seinen geistlichen Poematen dagegen (1651) ist Bucholz einKunstdichter nach neuem Stile. Sie fallen früher als die HauSandach-ten; so hat auch Gryphius seine Kunstoden eher gemacht, als seine ein-facheren Lieder, und man sieht deutlich, daß gegen die Zeiten Gerhard'shin eine lutherische Gegenwirkung gegen jene Neuerungen der Kunst sichhier und da geltend macht. In jenen früheren Werken Bucholzensfinden wir einen Freudengesang auf die Menschwerdung Christ's inOpitzens Hymnenmanier, „wasserkalten Sinn" bei feuerheißen Worten.In seiner betrübten Sion aber nähert sich Bucholz dem Ton des Gry-phius. Dies ist ein strophisches Gedicht, in welchem die Braut Christi,die Kirche, Sion, ihren ehemaligen Glanz, ihr gegenwärtiges Elendbeklagt. Poetische Wärme liegt darüber, fließende und reine Stellensind darin häufig, eine Liebessprache gelingt hier unter dem geistlichenBilde, wie sie im weltlichen Liebesliede nicht gelang; die Farbe deshohen Liedes färbt dieses Gedicht. Dem Gegenstücke dazu, der ge-trösteten Sion, schadet die Form des Alexandriners schon bedeutend.Ganz in das Epos gerathen wir in den längeren Gedichten von derstreitenden Kirche, die da ihre verschiedenen Altersstufen schildert. EinLandsmann von Bucholz ist Gottfr. Wilh. Sacer (1635 — 99),Kammerconsulent in Wolfenbüttel. Auch Er ist einer jener Laiendichter,der wie Neumark in seinen Liedern^) hier und da ungescheut einenweltlicheren Ton anstimmt, und der in freudiger Ergebenheit der Ge-sinnung, in jener heiteren protestantischen Zuversicht gegen den altenFluch, überall an die besten Hymnendichter dieser Zeit erinnert.
Bucholz vertheidigt den Gebrauch geschmückter Rede in der kirch-lichen Poesie. Noch bestimmter als Er vertheidigt und noch kecker ge-braucht sie Andreas Gryphius^"). In der Vorrede zu seinenThränen über das Leiden des Herrn (1652) erklärt sich dieser selbständigste
T13) Geistliche Lieder. Gotha 1714. Sie sind in seiner Jugend, wohl in den KOerJahren gemacht, zuerst in Stettin erschienen, aber alsbald allerorts nachgedruckt.
214) Vgl. Dr. Jul. Herrmann, über Andr. Gryphius. Leipz. 1851.