Geistliche Dichtung.
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konnten ihm genügen. Man vergleiche seine Bearbeitung des 125.Psalms mit andern, wie sehr macht sich das poetische Feuer bei ihm Luft!Ein tieferes Kunstbedürfniß, als bei den Spee und Harsdörfer im Hinter-gründe sichtbar ist, äußert sich in ihm bei einem protestantischeren Geiste.Sein dithyrambischer Gang, seine feurige Estase, seine Fülle und Reich-thum ohne Gelehrsamkeit nehmen sich in dieser reifröckigen Zeit ganzfremd aus und erinnern uns schon mehr an den Schwung in Cramerund Klopstock. ,
Wenn Gryphius am diese Späteren vorwärts deutend mahnt undnicht mehr an Vergangenes zurück, so machen wir diesen Fortschritt auchbei Paul Gerhard (aus Gräfenheinichen 1606—76), von dem derehrliche Claudius gelernt hat. Er stand seit 1657 in Berlin, von woer später (1665) weichen mußte, weil er das Religionsediet des großenChurfürsten nicht annehmen und den Revers, sich des elenolii nominslisauf der Kanzel zu enthalten, nicht unterschreiben wollte. Er fand 1660eine Zuflucht in der Lausitz und in diesen Gegenden finden wir noch Joh.Francke neben ihm. Wenn Ein Mann unter den Dichtern des 17.Jahrhs.liebenswürdig erscheint, so ist es Gerhard. In dem Grundtone seinerLieder^^ ging er, wie kein Anderer, auf Luther's ächteste nur so ver-änderte Weise zurück, wie es die Verhältnisse verlangten. Mit Rechtsagt Wimmcr in einer Abhandlung über Gerhard's „Sollt ich meinenGott nicht singen," daß, wenn Gerhard zu Luther's Zeit gelebt, er inseinen Liedern nicht so viel wohlfließende Lieblichkeit, aber vielleichtmehrere Ernsthaftigkeit, Luther dagegen, wenn er in Gerhard's Zeit ge-lebt, unfehlbar mehr Lieblichkeit, aber nicht mehr Eifer und Ernsthaftig-keit hätte haben können. Um bei diesem Verhältnisse stehen zu bleiben,so sehen wir Gerhard seinem ganzen verzagenden Mitgeschlechte gegen-über mit einem herrlichen Muth ausgerüstet, so daß namentlich, wennman von Gryphius zu ihm übergehen sollte, der Abstich außerordentlichauffällt. Man vergißt es bei der Religions-Lehre und Dichtung, diesogern sauer und dunkel sieht, gar so oft, daß alles Gute auf demGrunde der Heiterkeit wächst, die darum Ernst und Würde nicht aus-schließt. Aber Gerhard ist durchgehend getrost und froh von Gemüthe;kein Dichter dieser Zeiten macht einen solchen Eindruck auf uns. Essei, daß Gerhard nicht in dem Grade wie Luther die Welt kannte, gelten
SI6) Paul Gerhard's geistliche Andachten, nach der ersten durch I. G. Ebeling(1686—7) besorgten Ausgabe, mit Einleitung rc. vcn Otto Schulz. Berlin 1842.Leben und Lieder von Paulus Gerhardt, von Langbecker. Berlin 1641. Paul G.geistliche Lieder, von K. F. Ph. Wackernagel. Stuttg. 1844.
Gero. d. Dicht. III. Bd.
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