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Eintritt des Kunstcharakters der neueren Zeit.
ließ und achtete, (da ja die ächte Religiosität die Welt, in die sie gestelltist, nicht scheuen darf, wenn sie nicht ihre eigene Schwäche verrathenwill), aber er ist himmelweit von der Weltverachtung seiner Zeitgenossenentfernt: er hat sich's oft bedacht, ob das Leben dieser Erde nicht ver-wünschenswerth und dem nicht besser sei, der sich zeitig zur Ruhe legt,aber er verneint die Frage. Ihm gibt die sittliche Kraft den Muth, zutragen; wie es aus seinem Leben erzählt wird, daß er dem Unglücke nichterlag, so sprechen es seine Lieder aus, wenn auch das berühmte „Befiehldu deine Wege" und „Ist Gott für mich" nicht bei der Veranlassungseiner Berliner Verbannung gedichtet sind. Seine Kreuzlieder sind alle-mal auch Trostlieder; thue und leide was Gott gefällt und gib dich zu-frieden, dies ist wörtlich und figürlich ein Lieblingsresrain seiner Lieder,und manche seiner Dank- und Vertrauenssätze schlingen sich wie epischwiederkehrend durch seine Gesänge hin. In Luther's Zeit gab der Glaubean die Gnade und an das Versöhnungswerk das freudige Vertrauen,ihm gibt's der Glaube an Gottes Liebe. Zu jedem sündigen Menschenauch trägt Gott diese Liebe, ja er trägt ächzenden Kummer über jedesverirrte Schaf, und unser ganzes Sündenheer wiegt vor Gott leicht, wiewas wir in den Fingern tragen können. Bei Luther nahm der altezornige Gott der Katholischen die himmlische Miene der Gnade an; beiGerhard ist der gnädige Gerechte ein mild liebender Mann, so nennt erihn wohl selbst, und nirgends sieht er so sehr einem Nirlas Hermannähnlich, als darin, daß er mit Gott herzlich gut steht, daß er sich inseinem Vertrauen auch ein traulich Wörtchen gegen ihn erlaubt, harm-los, treu und ohne die Tändelei der katholisirenden Dichter. Nirgendsdringt etwas von Zerknirschtheit oder falscher Demuth bei ihm ein, undwo er ja einmal den Menschen an Unwürdigkeit mit einem Hunde ver-gleicht, da entdeckt man, daß er blos ein unglückliches lateinisches Ori-ginal übersetzt. So wie jene alten Volksdichter ist er ungeheuchelt undunangestcengt fromm, naiv und tüchtig; gutartig und freundlich machtihn die Seligkeit seines Glaubens, „fröhlich ist was in ihm ist." InSprechart ist er gefällig, einfältig und wohlthuend, wie in seiner Denk-art ; in seinen Vorstellungen wie in seiner Form ist nichts, oder wenig,worüber ein gesunder Sinn strauchelt. Liegt die Tugend, auch der Dich-tung, in der Mitte, so ist Gerhard durch eine Reihe von Tugenden sobeliebt in seinen Liedern geworden. Er ist ein Charakter; in jedem seinerLieder ist er Paul Gerhard, immer dient der Stoss ihm, nicht Er demStoffe, er sieht sich in allem ähnlich, und hat doch das Geschick, sich vorwesentlich verschiedenen Stoffen wesentlich zu ändern. Er umschreibt