Band 
Dritter Band.
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358 Eintritt des Kunstcharakters der neueren Zeit.

Hinwendung zur Literatur des Auslands, seine Bekanntschaft mit fünflebenden fremden Sprachen, und dann seine grundsätzliche Verachtungdes Adels- und Ahnenstolzes, seine Hochschätzung der geistigen Güter,die innerlich adlen. Auf dieser Familiengrundlage bauten dann seineeigenen Schicksale diesen Charakter weiter aus. Die schreckliche Kriegs-zeit suchte ihn heim mit dem Verluste zweier Frauen, mit dreimaligerPlünderung und schwerer Krankheit, mit Pest und Hungersnoth in sei-ner Umgebung, mit Nahrungssorgen, die ihn einmal selbst zwangen,neben seinem Amte zum Ackerbau zu greifen: er erfuhr „das köstlicheDing, daß er das Joch in seiner Jugend getragen" und bildete sich indieser Kreuzschule das religiös gesammelte Gemüth, das sich so schön indem „christlichen Vermächtniß" an seine Kinder ausspricht. Dieß isteine Familienschrist, die 1641 mitten unter Gefahren geschrieben (1643erschienen) ist, wo man — eine sehr seltene Sache! — im Hauskleide den-selben Mann wiederfindet, der er in allen seinen Schriften ist: den prak-tisch bewährten, weltkundigen Mann, der in guter Schule, auf Reisen,an kleinen Höfen, in verschiedenen Aemtern (erst als Amtmann bei demReichsgrafen von Crichingen, und dann bei dem Herzog von Croy inVinstingen, nachher im Fiscalat von Straßburg, später als Haus- undGeheimerath der Grasen von Hanau, des Churfürsten von Mainz undder Landgräfin Hedwig von Kassel) den Schatz der Kenntnisse und Er-fahrungen gesammelt hatte, auf den man im Philander Hinblicken lernt.Man wird die Summe von Moscherosch's Charakter vollständig beisam-men haben, wenn man zu diesen Zügen noch seinen vaterländischen Sinnund seine lutherisch protestantischen Ueberzeugungen hinzunimmt, Eigen-heiten, die in ihm auf überdachte Erfahrungen gegründet waren. Denn erhatte alle drei Bekenntnisse sorgsam geprüft in Leben und Schrift, in AllenGutes entdeckt, die lutherische Lehre aber als die reinste evangelische ge-funden; es verdroß ihn daher bitter, als man in den falschen Fortsetzun-gen seines Werkes den Philander im Kloster sterben ließ und ihn so insLicht „irriger Lehre" stellte. So hatte Moscherosch auch bei dreimaligemAufenthalte in Paris aus eigner Ansicht den sittenlosen und freiheitlosenGeist der Fremden grundsätzlich hassen gelernt; er verabscheute in denFranzosen neben ihrem Atheismus und Heidenthum den sclavischenGlauben an ihren König und Alles was der glaubte. Dagegen hieltMoscherosch aus sein Deutschthum wie aus einen Schatz, hielt auf reindeutsche Sitte und Sprache, gab seinen Söhnen keine griechische undhebräische, sondern „ernsthafte deutsche" Namen, brauchte in seinem Phi-lander nur zur Nachahmung und zum Spotte den gemischten Sprachstil