Uebersicht der prosaischen Literatur.
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6. Uebersicht der prosaischen Literatur.
Bei der erotischen und gnomischen Lyrik der Minnesänger machtenwir schon die Erfahrung, daß man aus dergleichen Dichtungen nur ge-wisse Züge einer Zeit, nicht so leicht ihren Grundcharakter kennen lernt.Auch jetzt sind wir in demselben Falle. Wir haben mancherlei An-schauung der Oberfläche dieses Jahrhunderts gewonnen, den Kern habenwir nicht recht gesunden. Wir waren aber früher immer so glücklich,irgend ein Werk anzutreffen, das unserem Verständniß erleichternd ent-gegen kam, auch jetzt verläßt uns dies Glück nicht. Besonders warendie Zeiten der lehrhaften und satirischen Dichtung von einer ununter-brochenen Reihe von Werken dieser Art beherrscht, die uns unmittelbarmit den Richtungen dieser Zeiträume bekannt machten. Ein Werk, daseben diese Reihe beschließt und uns zu neuen verwandten Gattungenüberführt, bleibt uns zu erwähnen; es eröffnet uns die moralische Lagedieses Jahrhunderts eben wie seine Vorgänger. Es geht uns dies Werkwie so manche aus dieser Reihe strenggenommen nichts an, weil es ander Dichtung kaum mehr Antheil hat. Da es aber damals für Dichtunggalt und da wir aus ihm manches zur Erläuterung unserer lyrischenPoesie lernen, was uns durchaus unentbehrlich ist, so müssen wir etwasdabei verweilen. Es ist der Philander von Sittewald (—Mann-hold oder Johann von Wilstaedt) von Ioh. Michael Moscherosch( 1601 — 69 ).
Der Verfasser dieses berühmten Buches stammte aus einer aragoni-schen Familie Musenrosh, die sich in Straßburg niedergelassen hatte.Der Großvater Joh. Michaels war in dessen Geburtsorte (Willstett ander Kinzig^) Amtmann; er war in den Bürgerstand zurückgetreten;noch Michael's Mutter war aber eine dänische Adlige (von Peck). Schondiese bloße Vorgeschichte könnte uns zwei wesentliche Züge in Mosche-rosch's persönlichem und schriftstellerischem Charakter erklären: seine
217) In einem Gelegenheitsgedichte auf „Melander'S (Melchior Erhart'S inAugsburg) Abschied" 1852 führt Moscherosch selbst seinen Geburtsort an:
Du werthe Kintze du, die du mein SittewaldtWilstätt, ietz wild und öd, mit deinem strohm beteichest.lieber Ms. Leben stehe die Familiennachrichten bei H. Dittmar, Bibl. der Satirikerund Humoristen. 1. Berlin 1830.