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Dritter Band.
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Eintritt des Kunstcharakters der neuern Zeit.

mehr mit den materiellen Lastern der volksthümlichen Zeit zu thun, wophysische Leidenschaften von gewaltiger Natur die Menschen auf Abwegeführten, als mit den feineren Lastern einer falschen Bildung und mitVerirrungen des Kopfes; er sucht nicht ein Gegengewicht zu halten da-mit, daß er in die Tiefen des Gemüthes greift und des Menschen edlereNatur aufregt, sondern er kämpft mit Witz und mit Stacheln und daherist das Werk mit Epigrammen und epigrammatischen Stellen überfüllt.Es trägt daher auch den üblen Zug, daß es nichts Positives gibt, son-dern nur immer verneint. Unserm Satiriker schienen die Laster so unge-heuer, daß er genug zu thun hat, sie blos aufzudecken: er führt unsnur die mannichfaltigsten Wege des Lasters, keinen der Tugend, undöffnet vor uns ein widerliches, chaotisches Schauspiel, indem er uns nurdie Kehrseite des menschlichen Wesens zeigt, ein Geschlecht, das nichtallein durchaus verkehrt und sündhaft ist, sondern das auch noch mitseinen Sünden „bravirt, prangt und darauf pocht und trotzt, als ob sichGott vor den Scharrhansen fürchten müsse." Jene früheren, grobenphysischen Laster also der Vollere!, des Ehebruchs, der Unzucht, des Gro-bianismus überhaupt läßt Moscherosch mehr neben liegen, oder betrach-tet sie nicht an sich, sondern er hält etwa die rohen Sitten des Adels ge-gen dessen Einbildung und Standesstolz, geht gegen die Ehrenpunkte inden Trinksitten mehr als gegen das Trinken zu Felde, und mehr gegendas Tabakrauchen als das Weintrinken, jene Sitte einer halbbarbarischenCivilisation, die uns in Deutschland von den Modegewohnheiten jenerZeiten her hängen blieb. Philander hat es nicht mehr zu thun mit denGeistlichen als den Wächtern der Sitte, als die sie früher das allgemeineStichblatt des Witzes waren, sondern mit den Theologen und ihren Sub-tilitäten; nicht mehr mit den Richtern und ihrer Ungerechtigkeit, sondernmit den Juristen, insofern sie als Gelehrte verkehrt sind. Gehst du zueinem solchen, sagt er z. B. in der Satire vom Todtenheer, ihn umRath zu fragen, wenn er dich kaum angehört, vielweniger aber verstan-den, bald wird er sagen: Herr das ist ein stattlicher oasus, da ist mancheschöne Quästion anzubringen; ich besinne mich gar wohl aus die le^emdie expresso davon redet. Darauf geht er über einen Haufen großerTübingischer Bücher und durchsucht sie mit Händen und Füßen, liefet undgrummet heimlich fort, gibt dann dem guten unschuldigen Buche eineHusche und legt es auf den Tisch mit den Worten: seht da Herr, dahaben wir unsern Mann funden; der Illtus redet so klar von unsererQuästion, als ob er den 8wtum selbst gesehen. — Die weltlichen, dieEcwerbsstände ferner mit ihrer Habsucht sind weniger das, was wie