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Dritter Band.
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Uebersicht der prosaischen Literatur.

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ein zweckloses Leben voll Erfahrungen durchmachen muß, ohne einenandern Zweck, als diese Erfahrungen eben zu machen. So führt er sichselbst bei Ariovist ein, als einen der alle Stände durchgemacht hat, nichtwie ein unwissender Eulenspiegel überall anstoßend, sondern wie einHeldder spanischen Schelmenromane gewürfelt und überall sich fügend undfindend. Ich bin, sagt er, was man will; habe mich in diesen Zeiten inallerlei Leute Köpfe schicken und den Hanswursthut auf allerlei Art drehenmüssen; habe viel leiden, sehen, hören und mich doch nichts annehmenmüssen, lachen da es mir nichts umö Herz war, mich müssen gebrauchenlassen bald für einen Amtmann, bald, nachdem ich etlichemale ausge-plündert und vertrieben war, für einen Hofmeister, Rittmeister, Ver-sprecher, Jäger, Vorschneiver, Stallmeister, bald wieder für einen Amt-mann, einen Baumeister, Schützen, Büttel, Banernarzt und Soldaten.Daher wird Philander in den Fortsetzungen, z. B. in der Vision vonder Fastnacht und Herrschaft der Weiber, gerade ein Aventurier genannt.Wir kehren also hier zu der Ritterwelt und ihren Eigenheiten unterVeränderungen zurück. Ein ähnliches Verachten des heimischen Bodens,ein ähnliches Streben in die Weite und Fremde, eine ähnliche Grund-satzlosigkeit treffen wir in dem hohen und niedern Adel, unter den Poeten,die sich diesem Adel widmen, den Studenten, die dieses Adels militärischeSitten nachahmen. Aber es artet sich alles unter dem hartköpfigen,rohen Geschlechte ganz anders, als bei den sinnigen Rittersleuten deralten Zeit. Das Höfische, das dort das Hübsche und Edle war, warjetzt eine verworfene Sitte der Kriecherei geworden; die Liebe, die dortein regelndes Maß war, war Wühlerei geworden und man darf nur dieTagebücher von Hans von Schweinichen aufschlagen, um zu lernen, wasaus dem Frauenverkehre geworden war. Allein zum Ersatze für die Minnehatte die adlige und gelehrte Jugend dieser Zeit ein anderes Lebens-prinzip, das einen eben so schönen Klang hatte, wie ehemals jenes andere,und das noch übler wirken mußte, als jenes, nämlich die Ehre oder, wieMoscherosch die von den Fremden geborgte Modetugend nennt, dieReputation.

Die Eigenheit, den Begriff der Ehre nach der Ansicht von gewissenStänden, oder nach der Mode gewisser Zeiten zu bestimmen und nachdiesen kleinlichen Bestimmungen auch wechseln zu lassen und die so be-stimmte Modeehre auf eigne Faust mit dem Schwert zu verfechten, hattedas Alterthum so wenig wie jene eigenthümliche Minne des Mittelalters;das Ritterthum bei seinem Entstehen und seinem Untergehn hat uns dieseLiebe und diese Ehre geschaffen und hinterlassen. In den deutschen