Band 
Dritter Band.
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378 Eintritt des Kunstcharaklers der neueren Zeit.

natürlich humoristischer, volksthümlich witziger Schreibart überbietet erMoscherosch; und er rechtfertigt gleichsam durch sein Beispiel seine Be-hauptung (im Teutschen Michel), daß in der Gegend von Speier bisBaden das reinste Deutsch gesprochen werde, was er sehr verständig ausder geistlichen und weltlichen Gelehrtenwelt in Speier, an dem Kammer-gericht und Hofe, und aus der Nähe so vieler Gebildeten (in den vierbenachbarten Universitäten) erklärt. Ganz zur Seite steht Grimmels-hausen dem Moscherosch in seiner Satire gegen alles Ungesunde,Schlechte, Gemeine; leider aber noch mehr als bei diesem versinkt manbei ihm in einer grundaus verderbten Welt, in der sich der Verfasserselbst nicht mit so reinhaltender sittlicher Kraft über Wasser zu haltenscheint wie Moscherosch. Wenn er auch strafend die unsaubern Sittendarstellt, so kann er oft, scheint uns, kaum die eigene unsaubere Ein-bildungskraft verdecken. Er spottet wie Moscherosch alles unpraktischenGelehrtenwesens und verleugnet es in dem größeren Theile seinerSchriften, bis er in seinem Kalender, man sollte glauben am unpassend-sten Orte, plötzlich eine Masse von dergleichen nutzlosem Wissen auslegt.Wenn sich Moscherosch eine epigrammatische Natur hätte nennen dürfen,so nannte sich Grimmelshausen einen apophthegmatischen Menschen, under bezeichnet damit einen unterhaltenden Witzreißer, ein Wesen, dasdem strengen Ernste Moscherosch'ö ganz entgegen lag. Für die scharfeentschiedene Partheinahme in irgend einer Sache wäre Grimmelshausennicht in der Weise fähig gewesen wie Moscherosch. Als ein Spielballdes Glückes mag er sich wie Simplieius abgeschliffen und gerundethaben, während sich Moscherosch, dem Schicksal die Stirn bietend, festerund fester abeckte. Wie im Simplieissimus in Bezug auf das Heren-wesen, so zweifelt man in Simplicii Kalender ( 1670 ), ob es dem Ver-fasser mit dem Verspotten so vielerlei Aberglaubens Ernst oder nurScherz ist. In dem satirischen Pilgram werden vaterländische Dingeaus verschiedenen Gesichtspunkten betrachtet, eö soll das Kalt undWarm, Schwarz und Weiß verspottet werden, allein des VerfassersCharakter ist selbst von Lau und Grau schwerlich frei zu sprechen. Dießgeht besonders aus seiner konfessionellen Stellung hervor; er ist Katholikgewesen; er ist (wie man wohl aus Bonamico's siegreicher Widerlegungvon Simplieius Ursachen, „warum er nicht katholisch werden könne",schließen darf) wie Simplieius in seiner Erzählung katholisch ge-worden; er war es in einem aufgeklärten Geiste, nach gemachter Er-fahrung in allen Bekenntnissen; aber er ist nicht wie Moscherosch erfülltvon dem Guten eines jeden, sondern von ihren Schwächen. Ein