Uebersicht der prosaischen Literatur-
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genauster Kenner der simplicianischen Schriften (Passow) hat daher, eheder Todtenschein Grimmelshansen's alle Zweifel hob, mit Gründen dessenProtestantismus behaupten können, dies bezeichnet das Runde in seinemCharakter vielleicht am stärksten. Auch seine Schriften selbst werdendnrch dies Mehrseitige in Grimmelshausens Wesen nicht wenig erläutert,abgesehen von dem Inhalt und dem Charakter des Simplicisstmus.Dies Buch steht in der Mitte einer großen Menge von anderen Werkensehr verschiedener Art^'°). In den Erstlingen seiner Muse, die wie JeanPaul'ö Jugendschriften überhäuft mit gezwungenem Witze sind, in derTraumgeschichte von Mir und Dir (O. O. l660) und in der gleichzeitigerschienenen Mondreisc, in dem satirischen Pilgram (1666) und derspäteren (1672) „verkehrten Welt", einer Höllenfahrt Simplirissimi, istdie Anlehnung an Moscherosch's Visionen handgreiflich. Dagegen indem keuschen.Joseph (O. O. u. I. — 1667) und in der rslio 8lslus(1670) sind die biblischen Geschichten vonJoseph undDavid dort erzähl-,hier disrursweise abgehandelt; auf diesem Gebiete gerieth der Verfassermit Zesen in Concurrenz, in einer Richtung die der im Simplirissimusgradaus entgegen liegt. Derselbe Fall ist mit seinen beiden RomanenDietwalt und Amelinde (1669) und Prorimus und Lympiva (1672), dieer unter seinem eigentlichen Namen herausgab; hier wird er von denEhrendichtern als der Ueberwinder des Amadis gepriesen und schreibt indem gespreizten, rhetorischen Stile der französischen Geschichtsromane.Alle diese Sachen sind offenbar lange her vorbereitet und fast alle ausEinen Schlag erschienen. Der Simplirissimus aber fand den größtenBeifall; er war nicht auf zweideutige Schriftmuster gebaut, sondern ausLeben und Erfahrung entstanden. Hier nun erleben wir zum erstenmal,was sich nachher sehr sehr oft in unserer Romanliteratur wiederholensollte: auf den großen Erfolg hin setzte der Autor seine Schriftstellereials Gewerbe und aus Uebung fort, baute auf dem ersten Glücke weiterohne das erste Verdienst, und ward sein eigner Fortsetzer und Nachahmer.Innerhalb zweier Jahre erschien sein Springinsfeld (1670) und derTrutzsimpler oder die Landstürtzerin Courache, das Vogelnest (1672) unddessen zweiter Theil, als vier Fortsetzungen des Simplicissimus unterverschiedenen anagrammatisch verkehrten Namen des Autors. All dies
226) Sie sind fast alle in Einzelausgaben erhalten; dann vollständig gesammeltnach des Verfassers Tode in einer durch gereimte Mcralisationen und andere Zuthatenentstellten Ausgabe: Der aus dem Grab der Vergessenheit wieder erstandene Simpli-cissimus. Nürnb. 1683—5.