Band 
Dritter Band.
Seite
388
JPEG-Download
 

388

Eintritt des Kunstcharaklers der neueren Zeit.

übermenschliches Licht stellen sollen. Sonst ist es sogar mit belehrendenEpisoden ausgestattet, das ganze fünfte Buch füllt eine Beschreibungvon Venedig, so daß Zesen den Roman eben so vorsichtig wie der Ver-fasser der Amäne einen Tractat, oder wie Augsburger seinen übersetztenArnalt und Lucenda (1642) einen Discnrs hätte nennen können. Auchin den beiden biblisch-geschichtlichen Romanen, die Zesen später geschrie-ben hat, der Assenat und dem Simson (1670 und 79), treffen wir den-selben unverfänglichen Ton, den mehr frommen und schwärmerischenHang, der auch seine Gedichte färbt. In dem letzteren hatte er nur anPallavicini's Simson ein Vorbild, und hatte übrigens zu erfundenenZusätzen freien Raum; der Assenat liegt die Geschichte von Joseph zuGrunde; sie zu erweitern dient die Geschichte der Assenat und der letzteWillen der Erzvater, Schriften, die aus der lateinischen Uebersetzung desRobert von Lincoln (1242) ins Deutsche schon übergegangen waren.Der freie Gebrauch fremden Eigenthums charakterisirt die fortdauernde,außerordentliche Schwäche der Erfindung. So hat der dänische OberstChr. W. Hagdocn in seinem Aeyqnan (1670) in der naivsten Weisevie Statira,oder Cassaudra von Calprenedc (die später 1685 von Kor-nart übersetzt wurde) so gut wie abgeschrieben und nur die Handlungaus der Umgebung Aleranders nach China verlegt. Dieser hatte dabeinicht einmal die Ausrede Zesen's, der jene Autoritäten gegen den Vor-wurs der Erdichtung gebraucht. Kenntniß der orientalischen Alterthümerauszulegen, Beschreibungen zugeben von ägyptischer Sitte und Landesart, Gewohnheit und Religion, ist der Hauptzweck der Assenat,die mit Noten von krauser Gelehrsamkeit ausgestattet ist, die mannach des Verfassers Wunsche eigentlich zuerst lesen sollte, um zu sehen,daß alles in der Geschichte mit Vorbedacht geschrieben sei. Was Zesen'sSchreibart angeht, so ist sie gegen die der Bucholz, Anton Ulrichund Lohenstein ganz original. Hier ist jener üble bombastische Schwungder Marinisten, hier finden sich auch jene oft vorgeworfenen Worte,Zeugemutter für Natur, Leschhorn für Nase u. A., weniger aus Puris-mus, denn als Metaphern oder auch blos im Scherze gebraucht. DiesenStil, der dem Romane ja so lange her eigen war, übertreibt Zesen mehr,während ihn die Anderen ermäßigten; er entschädigt aber wieder aufeiner anderen Seite. Er schreibt in kurzen Sätzen, während die übrigenProsaisten alle damals in jenen gedehnten und gespreizten Periodenreden, die gleichsam die langweilige Form der unendlichen Romane selbstabbilden, indem hier eben so Satz in Satz geschachtelt ist, wie in denErfindungen, nach dem Ausdrucke des Verfassers der Mythoskopie