Uebersicht der prosaischen Literatur.
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(Heidegger), die Episoden ineinandersteckenwic dieHäutchen einer Zwiebeloder wie die ptolemäischen Sphären. Dieser Art ist Herrules undValiscavon Bucholz (1659), der Chorführer jener ungeheueren Romane, diesich in Umfang wie in Manier den alten Rittergeschichten nähern. Nähmeman das gelehrte und theologische Beiwerk heraus, so hätte man hiereinen vollkommenen Ritterroman mit einem doppelten Liebespaare, derenAbenteuer kreuzweise verfolgt werden und sich über Orient und Oecidentausbreiten. Gefangenschaften und Befreiungen, Gefährdungen derKeuschheit und des Lebens, Errettungen, Trennungen und Wiederfinden,ungeheure Weltschlachten, Alles, was der Ritterroman hatte, begegnetuns hier in den Schicksalen des deutschen christlichen Hercules und seinerValisca, seines Freundes Ladisla und seiner Sophia wieder in einerSchreibart, die sichtlich den altdeutschen Romanen und dem Amadiönachgebildet ist, gegen die der Verfasser so eifert. Sogar würde manall die angefochtene Schlüpfrigkeit hier wieder finden, wenn nicht jedenAugenblick der Herr Superintendent aus dem Vortrage heraus sähe. Eswar indeß keine kleine Aufmunterung zur Pflege der Romane, daß, wieeinst die Bischöfe Heliodor und Photius, sich jetzt ein geistlicher Herr zueinem solche» Werke hergab. Nur darin konnte für die grillenhafte Kritikdieser Zeiten der Unterschied dieses Romanes von den älteren liegen, daßmit der Lehre und Weisheit die Erdichtung ausgewogen ward, und darumpreist Rist z. B. dieses Werk als eine Fundgrube alles Wissens, woReligion und Staatskunst, Kriegswesen und Liebcswesen, alle natür-lichen und menschlichen Dinge besprochen seien. Die eigentliche Theoriezu den neuen Romanen muß man dann, wenn man nicht zu Birken'sund Omeis' Poetiken gehen will, in den Werken des Herzogs AntonUlrich von Braunschweig (1633—I71H suchen. Er geht förmlichzu den Geschichtsromaneir über, die er dann mehr Recht hat gegen die„Amadis'schen Fabelbruten" zu setzen. Er stellt geradezu den eigentlichenGeschichtswerken, den Annalen, die Gedichtgeschichten und Geschicht-gedichte zur Seite, als solche Werke, welche die Geschichte mit denHauptumständen behalten und Nebenumstände hinzudichten, oder die einewahre Geschichte unter dem Fürhang erdichteter Namen verborgen tragen.Er ist so weit von Baple's in dessen »ouvelles niedergelegtem Tadelgegen diese höchst unnatürlichen Gattungen entfernt, daß er sie geradehinfür weit nützlicher als die Geschichte selbst erklärt, weil nämlich demDichter erlaubt sei, Alles einzumischen, was zu Wahrheitslehre und Er-bauung tauge, während man in der Geschichte nicht allemal die Wahr-heit reden dürfe, und nicht jede Wahrheit darin fände! Die sittlich-