Band 
Dritter Band.
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386 Eintritt des Kunstcharakters der neueren Zeit.

einen Traum ganz in Moscherosch's Art, und der Name des Berathenenin diesem Stücke, Philanderson, schließt sich unmittelbar an diesen an.Auch sonst gebraucht er die Vision zur Einkleidung seiner Abhandlung;er nannte auch z. B. seinen geduldigen Hivb^) mehr eine poetische oderoratorische, als theologische Schrift, obwohl sie nichts ist als Predigt ineinem einkleidenden Rahmen. Kaum würde man aus seinen Schrifteneine einzige, die ehrbare Hure, der Sache und Handlung nach eigentlichals auf poetisches Gebiet gehörig betrachten. Die Satire verläuft beiihm offenbar mehr in die Predigt. Man warf ihm vor, daß er in seinenPredigten Pickelhäringspoffen anbrachte und daß er sie mit Anekdotenausfüllte, was die allgemeine Manier der Darstellung ist in diesen empiri-schen Zeiten. Man nannte ihn wie den Abraham a Sta Clara, einenFabelhans, und wirklich lassen sich seine Predigten mit denen des Patersvergleichen; seine Abhandlung vom Wörtlein Nichts z. B. hat ihresGleichen bei diesem. Wir hatten das Burleske von den Fastenpredigernausgehen sehen in allem Anfang, hier geht es dahin zurück. WasSchupp unter den Protestanten in dieser Hinsicht ist, das ist Abrahamunter den Katholiken, und ganz so wie sich spätere protestantische Satiri-ker, wie Riemer, Lehms u. A. zu Schupp verhalten, so verhalten sichdie katholischen wie z. B. der Jesuit Kallenbach zu Abraham. Welchein erschreckender Unterschied stellt sich aber, wenn man dies vergleicht,zwischen der protestantischen und katholischen Bildung in der Nationdar! Wir haben bei diesem Pater Abraham (Ulrich Megerle, 1642—1709) die Curiositätenwuth auf ihrer Spitze, und nur die Liebhaber vonKuriositäten können diesen Carrikaturschriststeller noch manchmal anprei-sen. Was ehemals in Naivetät und Unschuld gut sein konnte, ist nichtauch in den Zeiten Abraham's gut gewesen. Die Schnurren seiner Pre-digten und Schriften in Verbindung mit finsteren katholischen Schreck-nissen, seine anekdotischen Possen gemischt mit dunklen Legenden, seineAufklärung neben seinem Aberglauben, seine Derbheiten neben seinenhöfischen Schmeicheleien, seine Volksmanier in Erzählung, Wortspiel,Sprichwort und Schwank verbunden mit seinen lateinischen Brocken,seine Belesenheit in rohen deutschen Poeten vereint mit der in den Kir-chenvätern, seine Kunst epigrammatische Wirkungen durch Spannungund Täuschung der Erwartuug hervorzubringen, seine ganze burleskeManier angewandt auf lauter Kleinlichkeiten, und nirgends von einerErkenntniß der Grundfehler seines Volks oder seiner Wiener Gemeinde

SS9) Opp. 1701. 1. p. 129.