Uebersicht der prosaischen Literatur.
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und Ruchlosigkeit keimen zu lernen, wohin dies Hinstürzen ins Lebenohne sittliche Grundlage den Pöbel führen mußte. Dort lautet dieSoldatenbibel dahin, daß jeder des Teufels ist, wer betet und fromm ist,wer Mitleid und Erbarmen hat, wer Almosen gibt und länger treu istals eine Stunde, wer nicht Alles nimmt und nicht Alles mitmacht. Undwohin diese Richtung nach Welt- und Menschenkenntniß, ohne eingrei-fendes höheres Sittenprinzip, in dem Gegensatze des Pöbels, in demHöchstgebildeten führte, muß z. B. Machiavelli zeigen, mit dem sich dieseempirischen Lebenöphilosophen so angelegentlich beschäftigen wie mitReinecke Fuchs. Andrea und Schupv urtheilen von diesem Manne undseiner Menschenkenntniß besser als viele der Späteren; sie nennen ihnden scharfsinnigsten Beobachter menschlicher Tücke, der nicht Bosheitengelehrt, sondern aufgedeckt habe, und dieser seiner Aufrichtigkeit wegenschelten sie ihn wohl einen Thoren. Sie können es dabei doch nichtunterlassen, Legenden von ihm zu erzählen, die zu seinem Nachtheilegereichen; sie fühlen wohl, daß das Trennen des Sittlichen und Politi-schen gefährlich und »»christlich ist. Daher denn kehren unsre deutschenLebensphilosophen zu dem religiösen Prinzipe zurück, und lernen Politikaus der Bibel; und während die praktische Lebensphilosophie in Eng-land und Frankreich das Christenthum erschütterte, so lenkten unsereSpener und Arnold zur ächten Frömmigkeit zurück und unser AufklärerThomasius war ein Mystiker. Diese Wendung der Dinge zeigte sich inder Romandichtung. Schupp und die letztgenannten Männer haben hier-an Chr istian Weise in Zittau (1642—1708) ein Art von Vertreter.Dies ist eben der, den wir unter den übrigen Romanschreibecn noch aus-zeichnen wollten.
Aus ihrer Reihe tritt er insofern ganz heraus, als er lehrhafteRomane schrieb, die sich in der Gegenwart umdrehen; er selbst sagt inseinen drei Erznarren, es hätten Andere genug über Fürsten und Narrengeschrieben, er wolle mehr bei seines Gleichen bleiben. Er fühlte es selbstdaß man ihn seinen Buchtiteln und seiner Schreibart nach zu dem Sim-plirius stellen würde und wirklich berührt er sich mit diesem und mitMoscherosch in jeder Hinsicht. So waren auch andere Landsleute vonihm, Ellas Scharlach in Zwickau in seinem Gerngroß (1689), besondersBalthasar Kindermanni (1636 —1706) ganz aus Moscherosch wiehervorgegangen; der letztere schrieb unter dem Namen Kurandvr vonSittau ganz in dessen Art neue Gesichte (!673) und einen Schoristen-teufel (1661), außer vielem Anderen, was seiner Zeit bei Vielen einengroßen Namen hatte, so roh es auch ist. Weise ist in der Einkleidung