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Eintritt des Kunstcharakters der neueren Zeit.
gekreuzt durch Frankreich, gefördert durch Oesterreich (Austerwig) dargestelltwird, während Adelmann (Deutschland) gleichgültig zusieht, „ein guterEinfaltmann, der sich willig brauchen läßt und sich selber bis aufs Blutaussaugt." Den ernsten Romanen fanden wir ferner die Schelmenro-mane gegenüber, und eben so treten dieselben Figuren Simplieius undSchelmuffsky in dem Lustspiele dieser Zeit auf. Moscherosch's Satire er-hält in Rist's Spielen ein dramatisches Seitenstück und später erneuertsie sich nicht allein in Weise's Romanen, wie wir sahen, sondern auch indessen Lustspielen, wie wir sehen werden. So treffen wir also alleHauptverhältnisse der schönen Prosa in dem Schauspiele wieder.
Wir waren oben in der Geschichte des Drama's in einer Zeit stehengeblieben, wo daö Schauspiel in den Händen des Volkes war und inden Schulen blühte, und wo es eben anfing sich an den Höfen einzu-stellen. Wir haben nun im Fortgang anzugeben, wie das gelehrte Wesensich in dieser Gattung geltend machte, und wie dieselbe eine Zeitlangvorzugsweise an die Höfe gezogen ward. Im 16. Jahrh, hatten kaumeinige gelehrte Schauspieldichter eine Ahnung davon, in dem Dramaeine Kunstgattung zu sehen, die als solche zu behandle« wäre nach in-wohnenden Gesetzen. Ihre Aufführungen waren bloße Festlichkeiten;die Berechnung der Stücke auf die Gelegenheit und auf die Zucht derJugend machte die Nebensachen zur Hauptsache; die rohe Darstellungdurch Knaben oder Handwerker konnte nicht zur Veredlung der Terteauffordern. Die Muster des Alterthums lagen selbst den gelehrten Dich-tern noch in trüber Ferne, und so kam es, daß Hans Sachs und Ayrerdie Vorhand behielten, deren Stücke nach Stoff und Form den Mittelnder damaligen Bühne entsprechender waren, als die übersetzten klassi-schen Nachahmungen. Im 17. Jahrh, sollte dieser Zustand sehr wesent-liche Veränderungen erleiden. Man denkt sich leicht, daß es unendlichschwer war, den gewohnten Stil des Schauspielwesens zu ändern, mitdem es in Volk und Schule so fest eingewurzelt war. Eine äußere Ur-sache der Erschütterung des Volks - und Schuldarma's gaben wir obenschon an: der 30jährige Krieg störte die regelmäßigen Aufführungenund den heitren Sinn, der sie früher gepflegt hatte. Es gibt ausdrück-liche Zeugnisse, daß man es auf den Schulen hier und da für Sündehielt, bei dem allgemeinen Elende dergleichen Feste zu feiern. Es istdieselbe Erscheinung wie in England zur Zeit der Republik. Ehe dieSchauspiele dort 1647 ganz verboten wurden, waren sie von den Puri-tanern als unpassend in einer Zeit des öffentlichen Elends angefochten.In Nürnberg, wo Ayrer noch nach 1600 schrieb, konnte es daher geschehen,