408 Eintritt des Kunstcharakters der neueren Zeit.
schon 1634 im Dithmarsischen aufgeführt. Seine Stücke, auf die wirsogleich zurückkommen, haben noch vieles Vvlksthümliche behalten, daherwahrscheinlich ruhte der Ruhm der Verjüngung des Schauspiels aufJoh. Klaj in Nürnberg, obgleich seine Stücke kaum Schauspiele zu nen-nen sind. Nun folgten in hellen Haufen alle Opitzianer nach. Was nurGelegenheitsgedichte schrieb, schrieb auch Gelegenheitsschauspiele. Dach,Gläser, Birken, Harsdörfer, Lauremberg, Neumark, Joh. Georg Albi-nus, Schirmer, Schwieger, Schoch, Lochner, Homburg, Zesen, Alleschrieben gelegentlich ein Feststück, die wir nur zum Theil noch weiterhinerwähnen werden. Dazwischen traten nach einander die Schlesier aufund begründeten das gelehrte Schauspiel. Wie fremd aber diese klassischeBühne in Deutschland stand, wie sehr sie nur als Zwischenspiel, nurunter ungünstigen Verhältnissen der Volksbühne, aufkommen konnte,zeigte sich darin, daß diese Stücke zum Theil gar zu keiner Vorstellungkamen, zum Theil sich nicht auf der Bühne hielten. Man kehrte zumPossenspiel, dem Gegensatz der Tragödie, bald zurück, die Regel wardgrundsätzlich wieder Preis gegeben, das derbe Volksspiel in HeinrichJulius' Geschmack kam wieder. Weise stellt diese Wendung dar, der dieVerehrung gegen die Alten nicht hatte, aus welcher jenes gelehrteDrama hervorgegangen war. Durch ihn, der die Aufführungen auf denSchulen neu belebte, würden wir auf einer Hähern Stufe wieder zu demvolksmäßigen Stande zu Ayrer's Zeit zurückgeführt worden sein, wennnicht zwei neue Schläge das Volksschauspiel getroffen hätten, am Endedes 17.Jahrhs. wie an dessen Anfang. Das französische Schauspiel fingan seine Siege über Deutschland auszubreiten, und Gottsched trat aufdessen Seite gegen Weise und das Poffenspiel auf. Alle Gelehrten fielenihm zu und das Volk war gerade durch dieOper ganz zerstreut und abge-lenkt; ehe man sich's versah, hatte Gottsched ein ähnliches strategischesStück vollbracht wie Opitz: er nistete sich mit seiner französischen Bühneauf dem fast unbesetzten Gebiete des Schauspiels ein und nahm denvornehmsten Vorkämpfer des Volksspiels, den Harlekin, in ewiges Ge-fängniß; in der Oper verschwendete man alle Vorräthe mit einem unbe-sonnenen Heißhunger; und nun griff Gottsched dies ausgehungerte Ge-biet im richtigsten Augenblicke an, und man mußte es ihm auf Diskre-tion eine Zeit übergeben.
Diese Skizze wollen wir nun etwas auszuzeichnen suchen.
Wie entschieden das Auftreten Opitzens auch auf die Veränderun-gen im Schauspiele wirkte, so konnte er doch nicht ganz, selbst nicht beiseinen regsten Anhängern, die Spuren der dramatischen Volkskunst