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Dritter Band.
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413
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Drama. Höhepunkt der schlcsischen Poesie. 413

Wir haben von ihm eine Reihe geistlicher Stücke aus den Jahren1644—50 über die Geburt Christs, Herodcs, den leidenden Christus,die Himmelfahrt, die Auferstehung, den Engel- und Drachenstreit. DieBeispiele von Heinsius und Grotius und die regelmäßigen Aufführun-gen, die in den Niederlanden üblich waren, regte» ihn zu diesen Werkenan, und Harsdörfer und seine Pegnitzcr Genossen begrüßten mitTriumphden erfreulichen Anfang dieser höchsten Kunstgattung und den „wolken-ansegelnden Flug des Dichters." Harödörfer begleitet ihm einige dieserStücke mit aufmunternden Briefen, er zweifelt nicht, sie würden reich-licher anerkannt werden, wenn Klaj zu Carl's oder Otto des GroßenZeit lebte. Die Zurichtung und Aufführung dieser dramatischen Rha-psodien ist äußerst merkwürdig. Wir sind gleichsam am Uranfang desDrama, das in elternloser Zeugung wie von selbst entsteht, angelehntan den kirchlichen Gottesdienst, wie die ältesten griechischen Stücke, auf-geführt wie diese und geleitet von einem Choragen ohne weiteres Per-sonal als den Chor. Der Prediger Dilherr schlägt nämlich am Sonn-abend einen poetischen Anschlagzettel an die Kirche an: wer morgen nachChor und Predigt dem Poeten zuhören möchte, was er vom Musen-hause süßes bringe, der möge in der Kirche bleiben. Dieß waren dennnicht jedesmal dramatische Vortrüge; auch seine lächerlich eitle „Lobrededer deutschen Poeterei" (1645) trug Klaj in der Kirche vor, nachdem„der Hirt die Seelen abgespeist." Uns fesselt hier aber die nachkirchlicheFeier wesentlich nur, wenn sie dramatisch war. Ein musikalischer Vor-lrab, eine bewegliche Instrumentalmusik eröffnete, unterbrach und beschloßsie. Der Dichter leitet seinen Gegenstand, selbst redend, in Prosa oderVers ein, in epischer Erzählung, bis er an eine Stelle kommt, wo ereine der handelnden Personen mit einem „spricht sie" redend einführt,wobei er wohl noch bemerkt, daß sie wahrscheinlich, vielleicht, ohneZweifel, in folgender Art bei der oder jener Gelegenheit ausgebrochen.Nun entzückt er sich in seiner Vorstellung zu dem Charakter und derStimmung der darzustellenden Figuren, die nie gesprächweise, sondernnur hintereinander aus dem Einen Munde deö vortragenden Dichtersreden, er versetzt sich außer sich selbst, schaut wie in einem Gesichte daSwas er darstellen will und theilt es in einer feurigen Begeisterung mit;Lieder und Chöre unterbrechen den Vortrug. Diese sonderbaren Vorstel-lungen zu erklären, muß man sich erinnern, was wir früher schonerwähnten, und was auch die Pegnitzer Dichter selbst wohl wissen, daßdie bänkelsängerischen Umgänge mit Bildern, die Balladen die aufMärkten gesungen und erklärt wurden, Anfänge des Schauspiels waren;