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Dritter Band.
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Eintritt des Kunstcharakters der neueren Zeit.

nur Spielseiten des euriosu-i. Insofern aber in Rist's Sausewind diebestimmte Person Zesen's gemeint ist, ist uns dies Zwischenspiel nebenHunold's späterer dramatischen Satire gegen Wernicke (dem Pritschmei-ster) noch darum bedeutend, weil wir in diesen beiden Stücken innerhalbdes Schauspiels die erste offene Kritik und Polemik entstehen sehen, diebald der rothe Faden werden wird, an dem wir unsere Dichtungö-geschichte fortzuführen haben.

In diesen Moralitäten, Satiren und zeitbezüglichen Stücken hieltman also den früherhin beliebten Stoff oder Ton fest, und so auch inden geistlichen Stücken noch hier und da die alttestamentlichen Materien;die Passions- und Auferstehungsstücke dauern noch fort, obwohl freilichManier und Gesinnung vielfach so neu und verändert erscheint, wiein dem Kirchenlied des 17. Jahrhs. Die triumphirende Seele spieltnicht allein im Liede, sondern auch auf der Bühne; der BräutigamChristus holt seine Erclesia auch im Lustspiele heim (Dan. Richter'sarge Grundsuppe der Welt, l670). Besonders Ein Stück von Kn orrvon Rosenroth, ein allegorisches Lustspiel von der VermählungChrists mit der Seele, ist in dieser Hinsicht merkwürdig; es wird unterallen deutschen Allegorien den Calderonischen Autos am nächsten stehen.Das Stück steht in Knorr's Helieon. Unter einem König Dahar wirddie Weltlichkeit verstanden; er liebt die Nastma (Seele) und die Adibe(Leidenschaft; unteren Seelenkräfte). Nastma aber verlobt sich mit Fcdil(der wirkenden Tugendart einer hochgestiegenen Seele), dieser aber über-läßt sie aus Freundschaft dem Mamsuh, dem Gesalbten, Christ (die Na-men sind aus dem Arabischen bezeichnend). Adibe, weil sie von Mamsuherfährt, daß Dahar, eigentlich seines Vaters Unterthan, vogelfrei undUsurpator sei, ermordet ihn, und dann löst sich die Sache: Mamsuhwird mit Nasima, Fedil mit Adibe vermählt. Den schwülstigen, lächer-lich verstiegenen Ton den Georg Heinrich Weber, ein Ristianer imSchwanenorden (Hyphantes), in seinen poetischen Musen (1661) undanderen Liederwerken anstimmte, ähnlich wie sein Genoß Schreiber(Sylvandrr) in seinen Frühlingsknospen, behielt er auch in seinem dra-matisirten christlichen Kreuzträger (1652) bei. Dies Stück ist schon zumSingspiel geworden, und nach dieser Seite hin wandte sich das geistlicheDrama überhaupt mit am frühesten. Es ward Oper oder Oratorium inden Händen der Dedekind, Trommer, Joh. Jacobi u. A., und hieraufwerden wir unten noch zurückkommen. Nur von dem Einen JohannKlaj in Nürnberg müssen wir hier ein Paar Worte hören, weil Er alsder Urheber einer ganz neuen dramatischen Epoche betrachtet wird.