Drama. Höhepunkt der schlesischen Poesie.
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Wenn man neben diesen sonderbaren theatralischen Erfindungendas Drama der Schlesier betrachtet, so kann man besser begreifen, nachwelchem Rechte diesen der Vorzug in der deutschen Dichtung eingeräumtward, als wenn man Opitz neben die übrigen Lyriker stellt. AndreasGryphiuS (1616—64) aus Glogau begründete es und zwar seinenersten Versuchen nach früher als Klaj. Sein Herodes, der verloren ist,war schon 1634 mit 18 Jahren gemacht, denn wie Seultetus, wieLohenstein, der seinen Ibrahim Bassa im 15. Jahre machte, ist auchGryphiuS einer der frühreifen schlesischen Dichterjünglinge, deren erstePoesie Schulübung war. Er war wie ein Erbe von Fleming's Geistund Phantasie, und leider von mehr als Fleming's Unglück. Man mußin das Lob seiner Zeitgenossen einstimmen, daß er den Ruhm Schlesiens,den Opiß erworben, weit erhöht habe. Ewig Schade, daß auch dieserkühne, strebende Geist von unerhörtem Mißgeschicke niedergebeugtward^S). Er verlor im 5. Jahre seinen Vater nach einer Andeutungin seinen Gedichten an Gift; im 12. Jahre seine Mutter, und warnach ihrem Tode ohne Mittel, Trost und Beistand. Er verdankte Unter-richt und Alles sich selbst. Aus der Schule in Glogau vertrieb ihn Feuer,in Fraustadt die Pest. Einige Zeit schien ihm das Glück lächeln zuwollen, als ihm der Pfalzgraf Schönborn, bei dessen Kindern er Hof-meister war, die Dichterkrone und den Adelsbrief gab, von dem er nieGebrauch machte. Feuersbrunst, Krieg, Feinde verfolgten ihn aber auchin dieser Lage, sein Gönner starb schon 1637, 1638 ward sein BruderPaul, von dem er in Ausdrücken der größten Liebe spricht, aus Freistadtdurch eine katholische Reaction vertrieben; 1646 starb ihm Bruder undSchwester und er fiel in eine tödiliche Krankheit. Sie scheint ihn fürimmer gebrochen zu haben, obwohl ihm später die Schicksale günstigerwaren. Er klagte, daß so lange Titan sein bleiches Angesicht bestrahle,ihm nie ein Tag ganz ohne Angst bescheert sei. Was hätte der Mannwerden können, wenn ihm die Verhältnisse freundlich gewesen! Er warin I I Sprachen bewandert; er lehrte 1639—44 in Leiden die verschie-densten Wissenschaften, philosophische Fächer, Geschichte, Geographie,Mathematik, Physik, Anatomie und Physiognomik. Dazu reiste er seit1644 in ganz Europa herum, überreichte der Republik Venedig sein nli-vetum und lehnte einen Ruf nach Upsala ab. Es mußte die Wirkungseiner unverdienten Schicksale sein, daß er finster, tiefsinnig und paradorin Behauptungen ward; er glaubte an Astrologie, Vorbedeutungen und
233) Dgl. s. Leben von Bredow, indessen nachgelassenen Schriften. 1826.K-rv, d. Dicht. III. Bd. 27