Drama. Höhepunkt der schlesischen Poesie.
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aber widerlich sind, weil sie auf der Bühne vorkommen. So stellt auchbei allen Ungeheuerlichkeiten in Seneca's Charakteren der Umstand desRömers Sache besser, daß er titanische Halbgötter schildert, Gryphiusaber menschliche Figuren der Gegenwart oder der römischen Kaiserzeit.Den Begriff des Heroischen lernte Gryphius an seinen christlichen Mär-tyrern ; Unnatur, Empfindungslosigkeit klebt daher seinen Tugendheldenüberall an, und wie bei Seueca finden wir bei ihnen jene Freudigkeitzum Tod und im Unheil, jenen Trotz der Tugend, und im Gegensatzejene Tyrannencharaktere, die auf ihre eigene Bosheit pochen. AehulicheFehler tragen die Charaktere fast aller damaligen Bühnen. Bei Corneilleund den Spaniern gibt die Ehre jene übertriebene Stärke, welche beiGryphius die Tugend und Religion gibt. Wie häufen sich im Cid dieUnnatürlichkeiten, die aus dieser Quelle fließen. Jenes Maß ungewöhn-licher Stärke, das überall bei Gryphius angelegt wird, macht, daß zwi-schen den Gemüthsbewegungen, die er schildert, kein Raum ist, daß eralles ins Leidenschaftliche zu steigern sucht, und dadurch da, wo es derGegenstand nicht duldet, verstiegen wird und in unnatürlicher Anstren-gung hält. Dies hätte er vermieden, wenn er in Shakespeares Weiseeinen Reichthum der Handlungen in seinem Drama gesucht hätte, stattdes Wort- und Redereichthums, wenn er nicht alle Kraft und Prachtauf Erzählung und Schilderei gewandt hätte. Wir sind bei Gryphiusim reinen Gegensatze zu Ayrer. Bei diesem ist alles Stoff, hier Form;dort ist Thatsache und Szenenwechsel, hier Beredung und Einheit; dortist alles Schauen, hier Hören; für das Gemeine ist hier das Erhabene,für das Possenhafte der Ernst, für das Pöbelhafte das Gebildete. Durchdie Entfernung der Handlungen oder auch der Seelenkämpfe mangeltdaS Interesse, dies soll nun durch eine beständige Steigerung ohne Sen-kung, ohne Erholung, stetes Licht ohne Schatten ersetzt werden; dasEkstatische wechselt mit dem Gleichgültigen, und alle Motivirung wirddadurch unmöglich, weil die Besonderheiten ausgeschlossen werden unddie kleinen Züge, ohne welche keine Handlung nnd kein Handelnder ge-nau geschildert werden kann. Dieser Mangel der Kunst, einen Charakterfrei aus sich heraus, und die Begebenheiten aus den Charakteren wach-sen zu lassen, ist bei Seneca unv Gryphius gleich. Was nachher Lohen-stein in viel höherem Grade vo-geworfen ward, läßt sich auch schon vonGryphius sagen: seine Charakiere sehen sich gleich und reden einer wieder andere; der linde und milve Leo spricht mit dem Empörer Balbusgleich kräftig. Wenn je etwas von Schattirungen sichtbar ist, so ist esnur, weil noch grelleres Licht hier und da auf das Licht aufgetragen