Band 
Dritter Band.
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424 Eintritt des Kunstcharakters der neueren Zeit.

wird. Dem Römer dienen die Schrecknisse des Orcus, die Furien unddie Gottheiten dazu, das Erschütternde noch mehr zu steigern; die Chörebieten ihm Gelegenheit zu mehr dithyrambischem Schwung, den derDialog nicht erlaubt. Von dem wühlenden Geist unsers GryphiuS undseinen düsteren Stimmungen war es zu erwarten, daß er an die Stellejener Gestalten ein Anatogon setzen werde; in seinen Stücken wimmeltAlles von Geistern, in seinen Chören von allegorischen Gottheiten;Träume, Beschwörungen, Zauberer sind bei ihn, häufig; die Geistergebraucht er grundsätzlich an der Stelle veralten Götter^), und läßtsie in gedrungenem Prophetenton reden; sie sollen die Stimme der gött-lichen Weisheit aussprechen gegen die menschliche, wozu auch die be-trachtenden Chöre am Ende der Arte dienen, die nur so selten wie beiSeneca in die Handlungen selbst eingleisen, wie einmal im Papinian.Der Gebrauch der Göttersprache, der erhöhtere Kothurn in den Szenenund unter den Gestalten dieser Art macht dergleichen zu den Lieblings-parthien dieser Dichter; den Leser werden sie nicht so leicht zufrieden stel-len. Die Oekonomie der Stücke ist bei Beiden ungefähr gleich; siebeobachten eine gewisse Einheit der Zeit (gewöhnlich von 24 Stunden),aber nicht des Orts. Chöre, jambische Reden, Erzählungen, Sticho-mythien — Alles wechselt bei GryphiuS in der regelmäßigen Ordnung,wie dies auch die Spanier wieder in anderer Art in ihrem Drama ausdem Antiken beibehalten haben. Von eigentlicher dramatischer Kunst,von Bekanntheit mit wahrhaft tragischen Charakteren und Katastrophenist keine Rede. Bei Gryphins ist selten ein innerer Halt in seinenStücken, die Eigenschaft des dramatischen Anfängers ist fast überallsichtbar: daß nämlich die Scenen nur so hinlaufen, um die Handlungenzu erklären und fortzuführen; ans dramatische Wirkung sind sie nirgendsgestellt.

Wir wollen zum Erweise namentlich des letzten Satzes einige seinerStücke durchgehen. Im Leo Armenius (1646) verschwört sich im 1. Acteder ehrgeizige Feldherr Michael Balbus gegen den Kaiser; er wird abergefangen. Im 2. Acte folgt seine Verurtheilung: die Hinrichtung wirdaber wegen des Christtagö verschoben. Im 3. und 4. Acte steht nun fast

238) In der Vorrede zu CarlStuart citirt er aus Petronius ro. 118): dlou enimras gestae versibus eomprelioaüenüae sunt — seil per »mbaxes, üeoruinque mi-nisreria, er labulvsum seuteotiaruni lormentum praeoipitanilus est Über 5piri,us,ut gotius lurenUs aninii vatloinaliv appareat, guam religiös»« oratioais sub testi-bu8 klle». Hinter veorum schiebt er ein: »äse et speetrorum tsrvaruingue. DieseStelle ist höchst charakteristisch für Gryph's ganze Ansicht von Poesie.