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Eintritt des Kunstcharakters der neueren Zeit.
Mutter Julia hat hier eine Wechselklage mit dem Chor, die vortrefflichist. Ein Zwischenspiel schließt diesen Act, indem Themis den Bassianden Furien Preis gibt, die dann im 4. Intermezzo ihren Dolch schmie-den, in einer Scene, die an die Shakespear'sche Behandlung von Heren-scenen erinnert. Im 3. Acte wird der Anstifter von Geta's Mord, Lä-tus, der Rache der Julia geopfert: eine neue mit Papinian gar nicht zu-sammenhängende Handlung. Die Scene, wo der trotzige Lätus dem rach-gierigen Weibe gegenüber ist, ist für Gryph's Pinsel, wo sein poetischerGeist vorbrechen kann, nur daß uns auch da das ausgerissene Herz desLätus des Schrecklichen zu viel scheint. Kaum hört man noch in diesem3. Acte, daß Papinian gebraucht werden soll, den Brudermord des Bas-sian zu vertheidigen. Hier kehrt das Stück erst zu diesem Hauptcharakterzurück, der dann in den letzten Acten, lieber als dem Unrecht das Wortzu reden, seinen und seines Sohnes Tod erduldet. — Wir wollen diebeiden kleinen Freuden- und Singspiele Majuma und Piastus (1653)übergehen und zunächst Cardenio und Celinda nennen. Dies Stücksteht in einem gewissen zweiten Range in Gryph's eigener Ansicht,weil nicht heroische Personen darin spielen, weil es eines jener bürger-lichen Schauspiele ist, die den hohen Kothurn der Rede nicht zuließen.Aus dem Grunde, daß sich Gryphius hier mehr der gemeinen Redenähert, ist und dies Stück ansprechender, er selbst hielt es darum wahr-scheinlich geringer. Kein Stück verräth den Anfänger so sehr als dieses,keines läßt den Meister so sehr ahnen. Den ersten Act füllt die folgendeErzählung Cardenio's von seinem eigenen Schicksale. Cardenio ist einraufsüchtiger Reputationsheld der Zeit und liebt Olympien, ein Weibvon schön geordnetem weiblichem Charakter. Sie wird ihm seiner freienFaust wegen versagt, da eben diese Liebe seine Sitten zu mildern anfing.Eines Abends trifft ihn ihr Bruder vor dem Hause, reizt ihn, regt seinenalten Raufstnn auf und wird im Zweikamps getroffen. Er erholt sichaber und ist nun für die Verbindung seiner Schwester mit Cardenio.Es geschieht aber, daß ein anderer Bewerber, Lvsander, in OlympiensSchlafgemach schleicht; sie hält ihn im Schreck für Cardenio, dieseraber, den die Sache verdrießt, beweist, daß er diesen Schritt nicht ge-than, und stellt so Olympien blos, die nun dem vortretenden Lysanderdie Hand verspricht; aus Trotz über Cardenio's Ausschlag will sie denverhaßten Gefährder ihrer Ehre nehmen. Allein es gelingt eine Ver-ständigung, die Liebenden gehören sich wieder an, da wird Cardenioabgerufen zu seinem Vater. Seine Briefe an Olympia gehen verloren,sie hält ihn für treulos und heirathet den Lysander. Cardenio hört,