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Dritter Band.
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430 Eintritt des Kunstcharakters der neueren Zeit.

Dichtung Seele sei. Dann aber wunderte er sich später über seine Ueber-setzung des Todes des Sokrates darum, weil es ein unlustiges Werk undsür junge weltliebende Leute keine anmuthige Speise sei. Diese Aeuße-rung^) ^ höchsten Grade charakteristisch; man sieht daraus, daßEr sich aus der elegischen Stimmung, in denen so viele Dichter der Zeitbefangen blieben, rettete, und daß er die Weltliebe geradezu von sichbekennt. Auch in seinen lyrischen Gedichten nimmt er nicht Anstand, vonsich auszusagen, daß er kein Engel und kein Stein sei, daß er sich nichtentmenschen wolle; und selbst gegen die späteren Anfechtungen, die ihnwegen seiner leichtfertigen Dichtung trafen, setzte er, in größerer Gemüths-ruhe als Wieland in ähnlicher Lage, sein erprobtes Leben. Wirklich warer ein ehrbarer, in seiner Geschäftsführung sehr geachteter Mann (Raths-herr in Breslau), der sich auch darin vor den Dichtern der Zeit Vortheil-hast auszeichnet, daß er aus seiner Dichtung wenig Werk machte undbescheiden seine Gedichte ganz zurückgehalten hätte, wenn nicht Anderesie ihm abgedrungen. Er dichtete Vieles noch mit Anderen, was er nichtpublicirte; auch seine lyrischen Gedichte wurden erst nach seinem Todeherausgegeben^). Sein vornehmstes Werk, sagt er selbst, sei unterseiner Hand gleichsam in der Mutter erstickt, weil ihn keine Freundeermuntert hätten, und später sei ihm das Feuer ausgegangen; er wirddamit sein Epos vom deutschen Kriege meinen, das er selbst verbrannte.Wie Gryphius machte er den umgekehrten Gang der Gemüthsrichtungengegen die frühern Dichter: diese begannen mit weltlichen Poesien, undendeten reuig mit geistlichen, jene beiden aber begannen mit geistlichenund beschlossen mit weltlichen. Bei Gryphius prägt sich dabei immernoch die Weltverachtung aus, allein Hoffmannswaldau zeigt sich überallals ein reines Weltkind. Er macht daher gegen Gryphius den vollkom-mensten Gegensatz des Epicureismus zum Stoicismus, und in ihrerPoesie spiegelt sich dies vortrefflich ab. Es ist ein Gegensatz, der bisHaller und Hagedorn, bis Klopstock und Wieland unaufhörlich in unsererLiteratur sich wiederholen sollte. Gryphius richtet seine Gedanken ausden Tod und hält für die einzige Weisheit sterben zu lernen; Hoffmanns-waldau aber wünscht ewig auf der Brust seiner Geliebten verparadies't

242) In der Vorrede seiner „deutschen Uebersetzungen und Gedichte/' Brest.1673, der Hauptausgabe seiner Werke, in der jedoch keine lyrischen Gedichte enthal-ten sind.

243) In Neukirch's bekannter Sammlung: Hoffmannswaldau'S u. A. auserleseneGedichte. 1695 u. f.