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Dritter Band.
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Drama. Höhepunkt der schlesischen Poesie. 433

als den Fehler in Hoffmann's Schreibart nennen, da er vielmehr mitBewußtsein gerade auf den Gegensatz davon ausging. Das dagegen istnatürlich, daß man sich gegen die Unnatur auflehnte, mit der er Sachender Empfindung zu eitlen Spielereien des Scharfsinns macht, mit der er,wieBodmer spottet, Gleichnisse aus Gleichnisse häuft, in Sprüchen seufzt,metaphorisch liebt und in Reimen sterben läßt. Aber vielleicht hätteman doch nie vergessen sollen, die seine Zierlichkeit seiner Sprache gegendie der frühern Dichter auszuzeichnen, wenn man auch nicht in das Un-maß des Lobs einstimmen wollte, das die Neumeister, Thomasius undLohenstein ihm zollten, im Widerspruch gegen die Gallomanen, die,selbst Leibnitz eingeschlossen, auf Opitz als auf dem non plus ultra hängenblieben. Gewiß ist, daß Hoffmann zuerst auf den feinen Ton der Spracheüberführte, der sich vor jenen Abfällen ins Gemeine wie vor dem „sichselbst Uebersteigenden" gleichmäßig scheute. Der glättere Vortrag, denwir bald stufenmäßig inNeukirch's, Günther's, Hagedorn's lyrischenLiedern antreffen, ging nur von ihm aus. Was andere in seiner Manierübertreibend oder zurückbleibend dichteten, muß nicht ihm zur Last gelegtwerden.

Man darf nur Daniel Caspar v. Lohenstein's (1635bis 83) lyrische Gedichte (Blumen 1689) mit Hoffmann's vergleichen,so wird man sogleich gewahr, mit wie wenigem Rechte jener immer inEine Linie mit ihm und Gryphius gesetzt ward, und wie eigenthümlichseine Vorzüge sind. Lohenstein war Jurist aber kein Dichter; seine Lob-redner sagten selbst, daß die Themis mehr als die Muse über seinen Todklage, und daß die Poesie das kleinste Glied der Kette gewesen, die ihmder Himmel angehängt; er wußte es selbst, daß die Säure, die der Ernstdes Rechts mit sich führe, seinen Gedichten das Liebliche benehme. Erdichtete daher, wie übrigens auch Hoffmann, nur nebenher und für seineFreunde. Er war ein Gelehrter, und wenn man seine beiden Genossenunsern Senera und Ovid nannte, so hieß er der deutsche Scaliger. Erwar ein Verstandesmensch, läßt sich daher lobend über Opitz aus, wiejene Beiden nie (obwohl er diesen den Opitz nachsetzt); er ist in seinenGedichten mehr in Opitzens Ton geblieben. Selbständig ist er nirgends.Wie er den Anton Ulrich in seinem Romane (Arminius) nachgeahmthatte, so ahmte er Gryph im Trauerspiele nach und Hoffmann in seinenHeroiden. Aber wie weit sind seine Liebesbriefe entfernt von der Anmuthund Zartheit derHoffmannswaldau'schen, nicht allein im Vortrag sondern

246) Vgl. W. A. Paffow, D. C. von Lohenstein. Meiningen 1852.Gerv. d. Dicht. IN. Bd. 28