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Dritter Band.
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Eintritt des Kunstcharakters der neueren Zeit.

selbst in der Wahl der Stoffe. Die Liebschaften Peter's des Grausamenund Philipp's mit der Eboli sind schon ekle Gegenstände; noch vielwiderlicher aber ist die ähnlich behandelte Rede der Maria Cornelia,eines Weibes, die Keuschheits halber sich mit einem brennenden Scheitauf eine häßliche Art das Leben nimmt. Dieser rohere Geschmack unter-scheidet Lohenstein auch in seinen Trauerspielen am wesentlichsten: ihndarum anzugreifen, fiel selten jemandem ein, da man sich mehr gegenseinen verkehrten Marinischen Geschmack empörte, als gegen seinen un-gebildeten und stumpfen. Man kann es gleichmäßig gegen beide. Es istunglaublich, wie weit wir Plötzlich in diesem Manne von einer gewissenerreichten Höhe in die Tiefe gleichsam des früheren Volksgeschmackswieder herabgestoßen werden. Seine Trauerspiele sind formell ganz denGryph'schen nachgebildet, allein wenn uns vorhin bei diesem einzelnesBlutiges und Grausames mißfiel, so tritt er, wenn wir Lohenstein'sStücke betrachtet haben, in das Licht der größten Milde zurück.

In einigen von Lohenstein's Trauerspielen tritt diese Eigenschaft desMordspektakels, wie man solche blutige Stücke wohl nannte, allerdingsweniger vor. Seinen Ibrahim Bassa (kt>53), den er in früher Jugend,wie auch Agrippina und Epicharis schrieb, könnte man dem Ban unddem einfachen Gange der Handlung nach für regelmäßiger und bessererklären als irgend eines der Gryph'schen Trauerspiele; wie wenig aberLohenstein auf seine Dichtungen achtsam war, schließt man billig daraus,daß alle seine späteren Stücke, in Bezug auf ihre Oekonomie, oder auchhinsichtlich der Anwendung des Schrecklichen, schlechter wurden. DieCleopatra (166l) ist vollgepropft von Geschichte, von politischen Be-rathungen und Allem, was eine Staatsaetion ausmachen kann; steiftvon dieser Seite weit langweiliger als Gryph's Stuart. Die Sophonisbeist noch das poetischst gehaltene, der Form nach reinere, von Anstößenfreiere seiner Stücke. Allein welche thörichte Häufung von Verlegenheitenund streitenden Gefühlen hat Lohenstein darin angebracht, etwa so wieCorneille in seinen schwächeren Stücken! Welch ein Charakter ist dieseSophonisbe, die Lieblingsfigur aller damaligen Tragiker, dadurch beiihm geworden! Man kann mit diesem Stücke die Sophonisben derCorneille, Trissino, Lee u. A. vergleichen; alle baben doch wenigstenseinen gewissen Begrsff mit diesem Charakter verbunden, aber welch einWesen ist diese Lohensteinische, die über ihres Gatten Syphar Gefangen-schaft erst verzagen will, dann ihn vergnügt dem Tod Preis gäbe umdes allgemeinen Wohls willen, dann sich Waffen anlegt und ihren Sohnopfern will, hierauf, als ihre Stadt überfallen ist, sich tief vor dem