Band 
Dritter Band.
Seite
440
JPEG-Download
 

440

Eintritt des Kunstcharakters der neueren Zeit.

wo schon um 1626 eine förmliche Bühne auf der Burg erwähnt wirdund um 1651 ein eignes Comödienhaus gebaut wurde, verzweigt sichvon da die Oper, wie der Roman es that. Auch in Brandenburgherrscht noch dieselbe Stille im Drama wie in der Lyrik; dagegen erhältes in Königsberg, Braunschweig und Hamburg eine Pflege, die der derlyrischen Poesie entspricht. In Hannover zeigen sich einzelne unglücklicheVersuche eben wie in der Lyrik; eben so auch in Darmstadt, wohin gegenEnde des Jahrhs. durch die Landgräfin Dorothea Charlotte, die einesächsische Prinzessin war, das Ballet und Singspiel gebracht ward.Denn in allen sächsischen Provinzen, in der ganzen Mitte Deutschlands,war um das Schauspiel und namentlich um die Oper ein gewaltigerEifer, und zwar nicht weniger an den Höfen als in den Schulen. Ganzwie es im Lyrischen war, so ist es auch hier: Nichts vorragendes vongroßer Bedeutung findet sich als der einzige Weise; aber eine ungeheureMasse von Hofdichtern, Schulmeistern und Pastoren, die in die WetteStücke aller Art machten, von denen sehr wenige auch nur der Redewerth sind. Wir können dieses Gewühl nur eben bezeichnen. Diesächsischen Lyriker, die uns schon bekannt sind, haben fast alle auch Schau-spiele gemacht. Jene mit den Nücnbergcrn verbundenen Augöburger,Schock), Homburg u. A. übten sich zum Theil schon sehr früh (in den40er Jahren) in dem dramatischen Schäferspiel; Michael Schneider,jener Liebling Buchner's, gehört hierunter, der 1632 den Amyntas desTasso übersetzte. Die Schulrectoren und Cantoren fuhren mit geistlichenund lehrhaften Stücken oder Opern fort: es wäre aber nur Beschwerdefür das Gedächtniß, die einzelnen Stücke oder Opern der Keimann undWenzel in Zittau, Zeidler in Saalfeld, Grosser in Altenburg und Görlitz,Jacobi in Zwickau, Zopf in Gera, Borberg u. A. aufzuzählen. Anderelehnten sich an die verschiedenen Höfe an, wo sich stehende Theater bil-deten, oder wo doch die Haupttruppen einen festen Fuß hatten, die sichdamals mit dem Ehrentitel churfürstlich sächsischer, oder herzoglichweimarischer Hvfkomödianten schmückten. Die fruchtbringende Gesell-schaft hatte auch auf daö Schauspiel hier noch wesentliche Einflüsse. InWeimar hat sich Neumark auch an theatralischen Aufzügen und politischen„Gesprächspielen" versucht; an den Hof des Administrators von Magde-burg knüpft sich Heidenreich, der als Secretär der fruchtbringenden Ge-sellschaft einige Stücke oder Opern schrieb, die in Halle (1669) vonPrinzen und Prinzessinnen und einigen andern adligen Personen beiderleiGeschlechts aufgeführt wurden., An dem Hofe des Herzogs Ernst von