Drama. Höhepunkt der schlesischen Poesie. 445
Euripides an, allein die Höfe schrieben hier vor und der Dichter mußtesich in diese Art von Dichtung fügen, wo der theure Apparat, den derFürst bestrick, mehr werth schien, als das bißchen VerS und Reim.Bressand wollte sich in seinem Jason gern an Seneea und Corneille an-schließen, allein „ein Mund, dem nicht zu widersprechen war," schriebeinige andere Umstände vor, die zu mehrer Auszierung des Schauplatzesdienten, auf welches Stück die Singspiele ohne Zweifel die meiste Ab-sicht hätten! Alle Künste, Musik, Poesie, Malerei und Architekturerklärt Feind als das Wesen der Opern. Nun häufte sich die barockstePracht in ihnen an, Alles was sich sonst bei Turnieren und Schießfestengezeigt hatte, warf sich jetzt auf Ballette und Oper, und je bunter eskam, desto besser gefiel es. Daher denn war mitten in der Blüte schonder Verfall und die Ausartung über alle Begriffe, und Feind, der sichmit am eifrigsten für diese Gattung interessirte, muß sie doch für einunnatürliches Ding, eine prächtige Gaukelei erklären, zu der uns dieItaliener, und wir beide die Franzosen verführt hätten. Jeder fand inihr etwas für seinen Geschmack, der Eine den Stoff, der Andere dieDarstellung, der Dritte die Musik, der Vierte die Narrenpossen; manhatte heilige, geistliche, geschichtliche, heroische Opern, es gab aber auchwelche über Bierbrauen, über die Schlächterzeit und fröhlicher BrüderSauflust; für den König wie für den Brauer also war Befriedigunggleicherweise, und dieser gemeinsame Antheil machte, daß auch wieder aufdie Opernaufführung mehr verwandt werden konnte, wie es bis heutegeblieben ist. Alles drängte sich mit Macht zu und die Schaulust wardzu einer Art Wuth. , Um das Jahr 1700 kommen in Gottsched's Ver-zeichniß der Deutschen Bühnenstücke 10—20 Opern auf Ein Schauspiel.In Hamburg, in Nürnberg, in Augsburg und sonst entstanden die erstenfesten und ordentlichen Schauspielhäuser zwischen 1678—97 der Operzu gefallen. Bis nach Livland und Curland dehnte sich die deutscheOper aus, ja wie die italienischen Sänger und früher die englischenSchauspieler nach Deutschland, so wanderten deutsche Schauspieler undSänger nach Kopenhagen und Stockholm! In Dresden, Leipzig,Königsberg, Berlin, Braunschweig, Nürnberg und vielen andern Ortenblühten Componisten und Dichter, nach Wien führte unter Leopold I.der österreichische Adel mit Erfolg dieOper ein; unter Karl VI. wurden,nach Kepßler, am Wiener Hose nur zwei Opern jährlich, aber jede miteinem Aufwand von 60,000 Gulden gegeben; auf die Sänger wurdengroße Summen verwandt; dennoch nannte man Wien das Hospital derVirtuosen, weil sich die Italiener hier erst in ihren alten Tagen zur Ruhe