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Eintritt des Kunstcharakters der neueren Zeit.
begaben. Zum Erstaunen glänzte die Hamburgische Oper an derScheide der Jahrhunderte^). Unter zahllosen unbekannteren Dichtern,wie Elmenhorst, Hintze, von Bostel, Richter, Schröder, Kramberg,Hotter, Beeeau, widmeten Männer von Auszeichnung und Ruhm, wiePostel, Hunold, Bressand, König und Feind ihre Feder der Aus-schmückung der dortigen Oper. Bürgermeister und Stadtflüchtige findensich unter dieser Reihe, Dichter wie Schröder, die diese Art der Dichtungwie das elendeste Fabrikgeschäft trieben, andere wie Postel, die das Besteeiner klassischen Bildung daran setzten. Hier war unter andern namloseuComponisten, wie Franck, Schieferdecker, Grüuwald, Graupner u. A.der gefeierte Kayser aus Sachsen, der, wie Bach die Oratoriendich-tungen des Henrici, die elenden Terte der Opernschreiber berühmt machte,dessen Jphigenie, Klytämnestra, Salomo u. A. man mit schaurigemEntzücken darstellen sah, und der über hundert Opern gesetzt haben soll,was glaublich genug ist, da ja selbst von dem großen Händel eine ganzeReihe von Opern verfertigt ward. Auch Händel nämlich hielt sich imAnfange des 18. JahrhS. bis 1709 in Hamburg auf, und trat dort mitErfolg nach oder neben Kayser mit seinen ersten Opern auf, machte auchnachher in Italien dasselbe Glück und riß später in England die Opererst aus einem kläglichen Zustande heraus. Kayser war während seinerWirksamkeit eng verbunden mit den besseren Operndichtern in Haniburg,wie auch mit dem vielgereisten Rechtsgelehrten Gerhard Schott, der dasHamburgische Opernhaus 1678 gründete, der die Oper in den höchstenFlor brachte, dessen Tod (1702) Posteln und Hunolden die Opern-dichtung verleidete, und den baldigen Verfall der Oper nach sich zog.Das Opernhaus in Hamburg hatte den Ehrgeiz, die meisten Coulissen-veränderungen zu besitzen; es konnte die Seitenseenen 39mal, die Mittel-vorstellungen wohl etliche lOOmale verändern. Es war zugleich dasweitläufigste Theater, während das Leipziger für das ärmste, das Han-noversche für das schönste, das Braunschweiger für das vollkommenstegalt ^). Innerhalb Hamburg entspann sich ein wüthender Kampf
280) Vgl. Lesfing in den Collectaneen s. v. Oper und P eurer, in Lewald'STheaterrevue I. Jahrg.
287) Diese Angaben finden sich in der Abhandlung über die Opern von Barth.Feind, vor dessen deutschen Gedichten (1708), in denen auch einige Opern von ihm find.Dieses Buch ist neben Hunold'S theatralischen Gedichten (1700) und deren Vorredendie wichtigste Quelle über die Operngeschichte. Feind ist ein weltmännischer Beurtheiler,der würdigste Nebenmann von Wernicke. Er hat sich viel in der Welt umgesehen undberichtet von der Oper in Paris, Brüssel und vielen italienischen Städten aus eigenerAnschauung.