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Eintritt des Kunstcharakters der neueren Zeit.
erklärte es seitdem für die edelste Beschäftigung, seine Poesie dem Him-mel zu widmen und die Zeit folgte ihm darin. Schon lange hatte auchdie Cantate Antheil erregt; wir sprachen schon von Dedekind, Trommerund ähnlichen geistlichmusikalischen Dichtern. In Weißenfels ^") beson-ders (wo ein zufälliger Aufenthalt des Knaben Händel seine musikalischeLaufbahn entschieden haben soll) wurden die regelmäßigen kirchlichenAufführungen durch die Kapellmeister Krüger und Beer und durch Neu-meister's Cantatendichtungen über die Evangelien in große Blüte ge-bracht. Bald traten die großen Kirchencomponisten Sebastian Bach undHändel aus und erschütterten die rathlose Oper gerade so gewaltig, wieKlopstock mit seinem Epos das rathlose Drama eine Zeit lang zaghaftmachte. Händel machte 1733 den denkwürdigen Uebergang zum Ora-torium , nachdem er sich mit der englischen Oper überworfen hatte: ertrotzte mit seiner unbändigen Natur gleichsam dem Operngeschmack in dieZähne, und eroberte sich das Gebiet, auf dem er unsterblich gewordenist. Unter diesen Umständen bedurfte es keiner so großen Anstrengungvon Gottsched, um sein Gewicht hinzuzuthun, die Oper auch von ästheti-scher Seite her zu verdächtigen. Seit 1730 ungefähr nahmen die Opernvon selbst ab. Was ihnen Gottsched entgegensetzte, das regelmäßigefranzösische Schauspiel, war ebenfalls schon lange im Zug und er brauchtenur einen Nachstoß zu geben. Seitdem der Eid durch Clauß (1655) unddurch Grefflinger (1656) übersetzt war, traten langsam'und allmählichmehrere Uebersetzer französischer Stücke heraus. Kormart (in Dresden)übersetzte für eine studierende Gesellschaft in Leipzig, für die er auch seineMariaStuart, seine Cassandra und seinen Hermelins arbeitete, den Pvly-euct (1669) von Corneille, Benj. Knobloch die Regierkunst von Gillet(1669), Heidenreich die Mirame von Desmarets und den „Horatz" vonCorneille (1662), und Andere anderes Einzelne; ein eigentliches Geschäftaber machte lange vor Gottsched schon Bressand (an dem BraunschweigerTheater) daraus, der in den 90er Jahren Rhodogune, Sertorius, Ra-cine's Athalia, Pradon's Regulus und noch mehreres Andere übersetzte.Dazu kam, daß die Veltheimsche Schauspielergesellschast 1694 die prosai-schen Stücke Moliöres übersetzt herausgab, wie einst die englischenKomödianten ihre Stücke.
Als Gottsched versuchte das Theater nach seiner Art wieder zu ver-edeln, war es zu einem Zustande zurückgekommen, wie wir es in Ayrer's
260) Einen dortigen Operndichter, Paul Thiemich, lobt Neumeister sehr, alleinseine Werke scheinen nicht gedruckt worden zu sein.