Drama. Höhepu»ktz.der schlesischen Poesie.
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die thörichten Sitten verspotten oder geißeln; immer ist er auf der Seiteguter Natur und Einfalt. So hatte er auch von dem eigentlichen Heldendes Lust- und Possenspiels, dem Pickelhäring, die feinsten Begriffe. Erwollte ihn nicht brauchen als einen bloßen Lustigmacher zur Ermäßigungdes Tragischen. Erfand, daß der Gebrauch dieser stehenden Figur aufeiner Prosopopöie beruhe. Jeder Mensch pflege bei anderer Leute Ver-richtungen sich laut oder still zu verwundern und eine kleine Satire dar-über zu machen; „damit mun auf dem Theater dem Zuschauer bei dieserVerwunderung gleichsam eiine Secunde gegeben werde, so sei diese Per-son dazu genommen worden, die gleichsam diese Stelle der allgemeinensatirischen Inklination vertreten müsse." Die Scenen fand daher Weisedie schwierigsten, wo er unter der Kurzweil des Narren die klügstenSachen vorzutragen hatte^).
Viele Nachahmer fand Weise in seiner Art Komödien zu schreiben,wie im Romane; in beiden Gattungen folgte ihm besonders Joh.Riemer, Professor am Gymnasium zu Weißensels. Wir kennen die vierStücke von ihm, die in „der Regenten bestem Hofmeister" (1679) gedrucktsind: zwei von geschichtlichem Inhalte über Maria Stuart, eine poli-tische Allegorie und eine „freie Erfindung", um mit Weise zu reden;dann zwei Liebes- und Eifersuchtspiele unter dem Titel „Amor der Ty-rann" (Merseb. 1685), wovon das zweite von den Briefen Hofmanns-waldau's angeregt ist, wie auch der „Graf von Gleichen" (Erf. 1689)von „Rathian", der ohne Zweifel auch von Riemer ist. Die Sachensind platte Nachahmungen, zu roh um besprochen zu werden. VielesAnonyme und Pseudonyme pflanzte sich auf Weise auf, allein es ist un-glaublich, wie arg das Pvssenspiel in den 90er Jahren schon versunkenwar. Wie der Schellmuffsky und das noch Schlechtere dieser Art sich zudem Simplicissimus verhielt, so erscheinen die Ausartungen der Possen-spiele gegen Weise. Ja wir können vielleicht am besten, unter dergroßen Masse von Harlekinaden zur Probe ein Paar herausheben, dieein Hilarius als Anhänge des Schellmuffsky publicirte (1696), der alsowohl selbst Verfasser von den Spielen wie von der Erzählung sein wird.In zweien spielt die Frau Schlampampe mit ihrem Sohne Schellmuffskydie Hauptrolle; zwei andere drehen sich um Harlekins Hochzeitschmausund Kindbetterinschmaus. Prügel sind die komischen Situationen,
265) Die wichtigsten Sammlungen von Weise's Schauspielen find: Lust und Nutzder spielenden Jugend 1698. Neue Jugendlust 1684. Comödienprobe 1695. Zittaui-scheS Theatrum 1683. Theatralische Sittenlehre 1719. Die meisten Stücke find danneinzeln erschienen oder im Anhang zu anderen Werke».