Anfange der Polemik, u. s. w.
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fehlte. Eigentliche Kunsttheorie kannte man nirgends. Von OpitzenSProsodie an bis auf die noch viel ärmlicheren theoretischen Forderungen,die ein Jahrhundert später sein Landsmann von Tschammer und Ostenin seinen geistlichen und weltlichen Gedichten (1739) aufstellte, eristirtzwar eine weitschichtige Literatur von Poetiken, allein wir bleiben darinstets auf Einem Flecke und wenn es möglich ist, so sind wir am Endenoch weiter zurück, als am Anfang; wenigstens hätte man in Sachsenein Jahrhundert nach Buchner's Dichtkunst eine bessere als die Gott-sched'sche erwarten sollen. Mangelte es an Kritik und theoretischemGrundsatz, so gab es natürlich auch keinerlei Anlaß zur Polemik. Wirsagten oben, die neuen Kunstpoeten um und nach Opitz hatten alle Ur-sache, zusammen zu halten; sie hatten sich erst ein Gebiet zu erobern,dann das eroberte zu behaupten. Sie operirten genau nach OpitzenSstrategischem Muster und mit eben so vielem Erfolge. Sie schlugen mitvereinten Waffen auf die Volksdichter und Meistersänger los und schloffenmächtige Bündnisse mit dem Adel und den Fürsten. Jetzt eben in denglänzenden Zeiten des schlesischen Drama'ö stehen wir auf der Höhe derSiege, die die gelehrten Dichter erfochten hatten. Die Volkspoesie schienganz erdrückt: auf einen Augenblick schien sogar die schlesische Gelegen-heitspoesie, die so viel an die Volksdichtung erinnert, ganz verschwun-den ; wenigstens ließ man dergleichen in Hoffmann'ö und Lohenstein'sTagen und noch später nicht so leichtsinnig drucken wie früher. DerAdel aber war, besonders in Schlesien, ganz der Literatur ergeben undmit Stolz rechnen die Landsleute ihre Bibran, Asstg, Schweiniß, Ger-storf, Abschatz, Logau, Tschammer und Osten u. A. als Gelehrte auf;ja was mehr war, die neuen Dichter zeigten sich jetzt der Beschützung desAvels gar nicht mehr bedürftig, denn sie rückten nun in Masse (die Opitz,Zesen, Gryph, Hoffmann, Lohenstein) selbst in den Adelstand ein. Sowie aber dieser Punkt erreicht war, schien dies wie ein Markstein für diegemeinsamen Fortschritte und die durch Eintracht errungenen Vortheile.Es schied sich nämlich nach der einen Seite hin eine Zunft von schulmei-sterlichen und Polyhistorischen Gelehrten von der Hauptmasse ab, nichteben um feindlich gegen diese, aber doch um für sich zu operiren. Inihrer Mitte kommandirten Weise und Morhof, und es zeigte sich hiermerkliche Neigung, sich der alten Volkspoeste wieder zu nähern. Aufder andern Seite aber schien der Adel wie verdrießlich über das Ueber-heben der gelehrten Dichter, die in Schlesien ihren Opitz'schen Ruf zurHofpoesie ganz vergessen und sich selbständig zu benehmen angefangenhatten; er reichte, um sich sicher zu stellen, der französischen Literatur die