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Dritter Band.
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Eintritt des Kunstcharakters der neueren Zeit.

Aehnliche unter den Poeten stehen, so fremd wie die Säule unter denPropheten, und die Folge ist, daß bald ganze Wissenschaften in diePoesie hereintraten, so daß nunmehr am Ausgange der OpitzschenDichtungszeit seine und Buchner's Ideale von Lehrdichtung erst in Er-füllung gehen zu wollen schienen. Ganz in Weise's Nähe und als einerseiner Nachfolger im Rectorat zu Zittau nennen wir I. ChristophWenzel (1659—1723), der bis gegen 1709 hin Lorbeer-, Cypressen-und Cedernwälder und Rosengebüsche herausgab, Sammlungen von elen-den Gelegenheitsgedichten eines steifen Gratulanten und Condolenten.Denn es schien, als ob mit der Flut der Romane und Opern auch dieder Gelegenheitspoesie wieder ins Uebermäßige anschwellen wollte. Wen-zel selbst sagt, die Welt bedürfe seiner Rosengebüsche nicht, da sie unterder Last von Rosen aus dem jetzt auf allen Dörfern angelegten poetischenPräneste beinahe ersticken müsse. Gewiß muß man unter das Stinkendeund Giftige, das unter diesen Blumen nach seiner Angabe verborgen ist,seine Gaben obenan rechnen, sie fanden aber demungeachtet vielfachenlauten Beifall. So sehr sank man jetzt — und nicht nur hier in Sach-sen, sondern auch in Schlesien und überall sonst — zu der alten Bänkel-sängerei wieder herab. Unter Wenzel's lebhafteste Bewunderer gehörtder Kanzleirath Amthor in Rensburg (1678—1721 aus Stolbcrg),ein kecker Vertheidiger Hoffmann's und Lohenstein's, deren Lieblichkeitund heroisches Wesen ihm Wenzel zu vereinigen schien, während er inder That nur Lohenstein's Rohheit vergröbert besitzt. Er bedauerte zwar,daß Wenzel fast nur Gelegenheitsgedichte gemacht, bei denen auch deraufgeweckteste Kopf stumpf werden müsse, aber gleichwohl preist er ihn,und gleichwohl bestehen seine eigenen „Gedichte und Uebersetzungen"(1734) auch fast aus nichts als Gelegenheitsgedichten. Und wie er-bärmlich sie sind, wie hölzern und gemein der Humor ist, den er affertin,so preist doch auch ihn selbst ein Günther als einen der Niedersachsen,die Schlesien seinen alten Ruhm schmälern würden! In Leipzig würdenwir als geistliche Dichter Joachim Feller, Pros. der Poesie, zu diesenrechnen; als allzeitfertiger Stadtpoet steht der Advocat Corvinus(1677—1746,Amaranthes)ihnen ganz verwandt zu Seite. FadeStadt-witze und Klatschereien in roher Sprache, Gelegenheitsepigramme, diesich zu kleinen Satiren ausdehnen, dies sind die Herrlichkeiten, die eruns auftischt^"), und in denen die humoristische Darstellung Weise'sungeschickt erkünstelt wird, so daß dem Leser zu Muth ist, als ob sich der

270) In seinen Proben der Poesie 1710 und Reiferen Früchten der Poesie 1720.