Band 
Dritter Band.
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Eintritt des Kunstcharakters der neueren Zeit.

viele Poetiken kannte, die er rühmt und preist, z. B. von Albr. Chr.Roth, und besonders die von Morhof, die eigentlich Weise's Prarisabgesehen ist, noch ehe selbst Weise seine euriösen Gedanken zusammen-gefaßt hatte. Mit Neumeister hängt dann der zweite, den wir noch hiernennen wollten, der Leipziger Professor Durch ard Mencke^) zu-sammen (Philander von der Linde; 1674—1732), wieder einer der po-lypragmatischen Gelehrten der Zeit, in dessen Studirstube sich, nach demLobe seiner Freunde, Poesie, Literatur, Historie und Themis um den Vor-rang streiten konnten. Ungeheure Belesenheit in fremden Dichtern unddie Mode muß ihm wohl Lust zur Dichtung gemacht haben, denn eignenBeruf hatte er auch nicht den geringsten. Er nannte Hoffmannswaldauund Abschatz die größten Dichter und hat in seinem 18. Jahre Helken-briese gedichtet (in seinen galanten Gedichten 1710), in welchen er sichnoch in Hoffmann's Gleichnisse verliebt und jene unrichtigen Gedankengebraucht, die die Franzosen GalimathiaS, die Engländer Nonsensenennen. Später fiel er zu dem Naturellen des Weise über und schriebnun vermischte, ernsthafte und scherzhafte Gedichte (1710—13), so ge-dankenlose Complimentirreimereien, daß man von ihm sagen möchte mitseinen eigenen Worten: er pfuscherte frei so hin und sagte nicht einmalmit Gunst, wie sonst Handwerksgebrauch. Durchgehend ist der fadeWitz der sächsischen Poeten, die erneute Nachgiebigkeit gegen französischeAusdrücke, die auch Weisen schon eigen war, durchgehend die maßloseKleinigkeitskrämerei. So macht es ihm in seinen Uebersetzungen unsäglicheBedenken, daß die fremden Namen oft sowenig gut klingen und sich soselten reimen, und er freut sich der großen Entdeckung, die man gemacht,daß uns viele alte Helden gar nicht bekannt geworden, blos weil sich ihreNamen nicht in Homer's und Virgil's Verse geschickt. Er hat in seinenscherzhaften Gedichten eine Reihe von Satiren, deren Titel man nurzu lesen braucht, um zu sehen, daß sie sich in den kleinen engen Haus-und Provinzialverhältnissen herum drehen, wie bei allen LeipzigerDichtern sichtbar ist. Ueber die Fragen, ob ein Gelehrter heirathen soll,ob es bei Promotionen aufs Alter ankomme, ob das jüngere Geschwistervor dem älteren heirathen dürfe u. dergl. lassen sich keine Satiren ma-chen, wenn man auch Horaz und Boileau noch so fleißig gelesen hat.Dabei ist die gemeine Gesinnung, die zu Tage kommt, noch widerlicher,

Sonetten, Rondeaur, einer Klaffe von allerhand Sorten als Epigramme, Räthsel,Echos u.s.w., von Kettenreimen, Ouodllbeten, Oratorien, Kantaten, Serenaten,Pastorellen und Opern!! Vel insipienti sät!

272) Vgl. R. Treitschke, Burkhard Mencke. Leipzig 1842.