Ansänge der Polemik, n. s. w.
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den Obersachsen das Humoristische und Heitere, so blieb vorerst daswesentliche Unterscheidungszeichen der Schlesier das von Hoffmann er-erbte Galante und Nette in Liebesliedern und Gelegenheitsgedichten.Beide Eigenschaften gingen nachher, eigenthümlich sich umgestaltend, indie Poesie der Niedersachsen über. In der sogenannten Sammlung Hoff-mannöwaldau'scher Gedichte, dieBenjamin Neukirch (1665—1729,aus dem Glogauschen) seit 1697 unternahm, erkennt man das Verbrei-tete dieses galanten Stils am besten, und es gehört nicht viel dazu, inden Gedichten Neukirch's selbst, in denen von Christian Eltester (6.L.),des Hofbaumeisters des Churfürsten von Brandenburg, von GottliebStolle (Leander) aus Liegnitz, von Junker und vielen Anderen die Hoff-mann'sche Manier, den Marinesken Geschmack, die italienische Schulesogleich zu erkennen. Was nun mit dieser galanten Dichtung eigentlichgemeint sei, warum die Anthologie Neukirch's den Namen Hoffmann'san der Stirn trägt, da doch die wenigsten Gedichte von diesem sind, da-mit hängt eö so zusammen. Bei Neukirch zeigte sich, wie bei Weise undMorhof, eine Ahnung höherer Poesie. Er stellt eine neue Theorie derUnterscheidung Poetischer Punkte auf, die von andern lächerlich gefundenward, die wir aber im historischen Verbände mit der damaligen Lageder Dichtung ganz vortrefflich bezeichnend nennen müssen. Wahrhaftgroße Dichter, sagt er in der Einleitung zu jener Anthologie, werdenvon Natur und Verhältnissen gebildet, aber so selten, daß kaum alletausend Jahre Einer erscheine. Für diese seien die höchsten Muster deralten Poesie, für diese die Gattung des Epos, an der er also nicht mehrverzweifelt wie Opitz, in der er sich zuletzt sogar in sofern versuchte, alser den Telemach in Versen zu übersetzen anfing. Er leugnet, daß dieFranzosen Sprache und Natur für die höchste Dichtungsgattung besäßen;er räth auch der großen Masse der Dichter, sich um die Geheimnisse die-ser höchsten Poesie nicht zu bekümmern. Man erkennt sogleich, daß diesdie Weise'sche moralisch - christliche'Ansicht von der höchsten Poesie vonästhetischer Seite ausspricht. Diesen größten Dichtern setzt er die Gele-genheitsdichter entgegen, die besser gar nicht eristirten! Zwischen beidenaber sieht er eine andere Klasse von Dichtern, denen er Ovid, Martial,Ausonius zu Mustern gibt, feurige, aufgeweckte Gemüther, im Erfin-den kurz, im Ausführen hurtig, in Gedanken seltsam; in dieser mittle-ren Sphäre sich zu halten räth er dem Haufen der Dichter; blos Ge-dichte dieser Mitte enthält diese Sammlung; sie vertritt in DeutschlandHoffmannswaldau als Muster, der unser Ovid geworden, der zuerst dieliebliche Schreibart einführt, an Tragödien und Epopöen aber sich nicht