Band 
Erster Band.
Seite
492
JPEG-Download
 

492

Nachbar an der nördlichen Grenze der noch nicht zur Ruhe ge-brachten Provinzen seines Reiches zu erhalten, und vielleicht auchnicht unzufrieden war, den verhaßten König von Schweden zukranken und seine Plane zu durchkreuzen. Die übrigen Verbün-deten, denen Rußland nach und nach diesen Plan eröffnete, er-klärten einstimmig ihre Mißbilligung, nur der Kaiser wollte seine,deshalb mit dem Ezaar getroffene Uebereinkunft nicht aufgeben, selbstals die langwierigen Verhandlungen zu Altranstädt ihrem Abschlüssenahten.

Hierdurch entstand auf's Neue Erbitterung im Herzen Karl's XII.gegen den Wiener Hof. Der kaiserliche Gesandte ward von Karlmit Uebermuth behandelt und von beiden Seiten war der Ausbruchoffener Feindseligkeiten nahe. Auch jetzt trat Marlborugh, anden sich beide Theile wandten, vermittelnd auf. Dem Wiener Ka-binet stellte er lebhaft vor, wie wenig die Lage des Kaiserreichesgestatte, muthwillig einen neuen Feind zu wecken, in dessen Händenim gegenwärtigen Augenblicke Deutschlands Schicksal tag. Zugleichverbürgte er, daß der König von Schweden jede Annäherung Frank-reichs abweise, folglich in der Hauptsache dem Wunsche des Kaisersentspreche, daher solle dieser bei Gegenständen von minderem In-teresse den Launen des Königs nachgeben. Gegen Karl XII.führte er eine ernste und gemessene Sprache und gab deutlich zuverstehen, daß die Seemächte zwar einen hohen Werth auf diegütliche Ausgleichung legten, aber zu ernsten Maaßregeln schreitenwürden, sobald sie Deutschlands Verfassung verletzt oder die Erb-staaten des Kaisers gefährdet sähen. Seinen Bemühungen gelanges endlich am 2. September, ein friedliches Uebcreinkommcn zuStande zu bringen, und dadurch die Gefahr zu beschwören, welcheden Kaiser von Schlesien her bedrohte.

Wir kehren nach dieser Darstellung der Verhältnisse Deutsch-lands aus den Kriegsschauplatz in Italien zurück, wo, wie wir ge-sehen haben, Eugen auch für dieses Jahr an der Spitze der kaiser-lichen Truppen zu bleiben für nöthig fand. Der wahre Grundhievon geht aus Eugcn's Schreiben an den Grafen vonSinzen-dorf, Mailand st. st. 19. Januar hervor, in welchem es heißt: