Band 
Erster Band.
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74 Das deutsche Volk in seiner Verbreitung über die Erde.

rern und 260 Zöglingen in fünf Knaben- und vier Mädchenclassen; 3) die Katharinen-Knabenschule für 100 Schüler in drei Classen; 4) die reformirte Schule (200 Zöglingein vier Classen) mit Waisenanstalt. Deutsche Kirchen gibt eS sechs: vier lutherische:St.-Peter, Sta.-Anna, im Stückhof und aus der Apothekerinsel; eine reformirte undeine katholische. In Moskau, wo schon vor 200 Jahren eine deutsche Vorstadt mitetwa 1000 Bewohnern bestand, treten die Deutschen weniger wichtig hervor; ihreAnzahl in der Stadt mag sich auf 9000 belaufen. In Odessa, wo die deutschenKaufleute nach Italienern und Griechen etwa den dritten Rang einnehmen, bildetesich 1846 ein deutscher Hülssverein. — In der Moldau finden sich 1000, in derWalachei 4000 evangelische Deutsche. In Jassy besteht unter dem Schutz des preu-ßischen Consulats eine evangelische Gemeinde von 700 Seelen, welche eine massiveKirche mit Pfarrhaus besitzt. Kleinere Töchtergemeinden sind zu Botuschan, Galatzund Fockschani. In Bukarescht besteht, von dem preußischen Consulatsprediger ver-sehen, eine lutherische Gemeinde von 2000, eine reformirte von 1200 Mitgliedern;in Krajowa sind 500, einige auch in Nymnik, Braila u. s. w. — In Konstantinopelbesteht seit 1844 ein deussch-evangelisches Asyl und seit 1844 ein deutsch-evangeli-scher Wohlthätigkeitsverein mit Krankenhaus unter dem Schutz der preußischen Ge-sandtschaft. Katholische Deutsche kommen im östreichischen Krankenhaus unter.

Im britischen Reiche sind in Irland und in Wales Trümmer deutscher Bevöl-kerung zu erwähnen. Bei Limerik wurden 1709 und 1710 eine Schar protestanti-scher Pfälzer angesiedelt, welche wegen ihres Glaubens vertrieben waren und ursprüng-lich von England nach Amerika hatten auswandern wollen, wozu ihnen das Geldmangelte. Sie sind schrn sehr englisirt und fangen bereits an, mit den umwohnen-den Jrländern sich zu mischen, unterscheiden sich jedoch noch von denselben durch ihrgermanisches Aussehen, ihr ruhiges ernstes Wesen, ihren Fleiß und ihre Ordnung.In Südwales zwischen Caermarthen-Bai und Davidshead wohnt eine im 12. Jahr-hundert aus ihrem Vaterlande durch Überschwemmung vertriebene flandrische Colonieauf einem Gebiete von 26 englischen Meilen Länge und 20 Meilen Breite. DieseAnsiedler unterscheiden sich in Sprache und Sitte von ihren Umwohnern, indem sienicht wälsch, sondern englisch sprechen, mit Einmischung vieler niederdeutschen Worte;auch ihre Häuser und Kirchen sind anders gebaut. In London soll es 70000Deutsche geben, größtentheils Handwerker, Kaufleute, Gelehrte und Künstler (beson-ders Tonkünstler). Sie bilden fünf lutherische und zwei katholische Gemeinden:1) die deutsche Hofkapelle im St.-Jamespalast, von Georg I. gestiftet, vom Hof un-terhalten; 2) die Savoy- oder Marienkirche, 1767 neu erbaut; 3) die Johanniskirche,Ludgatehill, 1770 erbaut; 4) die Georgenkirche in Goodmansfields; 5) die Drei-rinigkeits- oder Hamburgerkirche, Trinity-lane, 1718 erbaut; 6) die katholische Kirchezu St.-Thomas Apostel, und 7) die katholische Kirche und Schule zu St.-Bonifacius,in Cheapside, 1846 eingeweiht. Das deutsche Krankenhaus, in Dalston, mit Sa-natorium (für zahlende Kranke) und Poliklinik, den 15. Oct. 1845 eröffnet, behan-delte im ersten Jahre im Ganzen fast 1800 Kranke. „Die Krankenpflege besorgenDiakonissen aus Kaiserswerth. Unter den angestellten Ärzten müssen drei geboreneDeutsche, die übrigen wenigstens der deutschen Sprache mächtig sein. — In Stock-holm und Kopenhagen bestehen seit Jahrhunderten deutsche Gemeinden mit eigenen Kir-chen. '— Auf der pyrenäischen Halbinsel sind zunächst in Spanien die Trümmer der fastganz hispanisirten deutschen Ansiedelung auf der Sierra-Morcna zu erwähnen, wohinzum Anbau dieser öden Gegend 1768 — 69 auf Veranlassung von Olavides undAranda der Baier Thürriegel 7326 bairische, pfälzische, würtembergische u. s. w.Familien führte. Die neuesten Besucher (Hösken 1841, Willkomm 1844, Ro-chau 1845) fanden nur die Häuser der Orte La Carolina, Carlota und Luisianadurch ihre Reinlichkeit, die Felder ringsum durch ihren sorgfältigen Anbau, die Ein-wohner selbst durch ihren germanischen Charakter ausgezeichnet, aber nur wenigeLeute höchsten Alters sprachen noch mühsam und gebrochen deutsch. In Lissabonbesteht seit 1830 eine deutsch-evangelische Gemeinde von etwa 400 Personen, deren