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Erster Band.
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76 Das deutsche Volk in feiner Verbreitung über die Erde.

welche hülflos in Dünkirchcn lagen, ließ die französische Regierung nach Algerienverschiffen und siedelte sie dort in den Dörfern Stidia und Ste.-Le'onie an.

In Amerika verdient vor allem das Gebiet der Bereinigten Staaten unsereBeachtung, wo bereits ls/ 2 —2 Millionen Deutsche leben, besonders in den StaatenPennsylvanien, Ohio, Michigan, Illinois, Jndiana, Miffuri.*) Als Träger undErhalter der deutschen Volksthümlichkeit bestehen zahlreiche deutsche Kirchengemeinden,Schulen, Gesang-, Lese- und Fortbildungsvereine, Milizabtheilungen, Theater u. s. w.und gegen 100 Zeitungen, meist Wochenblätter. Die ersten Deutschen landeten un-ter Dr. Pistorius aus Windsheim im Jahre 1683 zu Philadelphia und gründeten1685 Kreßheim (Germantown), wo 1715 die erste deutsche Bibel (lutherische Über-setzung) in Nordamerika gedruckt wurde. 1698 wanderten deutsche Mennoniten,1709 clevische Wiedertäufer und pfälzer Protestanten wegen Religionsverfolgung inPennsylvanien ein, die Letztem zum Theil auch in Neuyork und Nordcarolina. 1752kamen nach Pennsylvanien Schwenkfeldianer und salzburger Protestanten, 1733Herrnhuter. Zinzendorf selbst besuchte Amerika 1711 und gründete Bethlehem; 1713wurde die Herrnhutercolonie Nazareth gegründet und 1786 die Verfassung der Herrn-huter in Pennsylvanien vom Congreß bestätigt. 1716 wurde die erste Synode derevangelisch-resormirten Kirche in Nordamerika zu Philadelphia gehalten und 1781die deutsche Unterstützungs-Gesellschast zu Neuyork gegründet, der seitdem zahlreicheandere Vereine zur Unterstützung, besonders der Einwanderer mit Rath und That,nachgefolgt sind, z. B. zu Boston (1847), Cincinnati (1817), Philadelphia (1815),Charleston, u. s. w. Die älteste deutsche Zeitung der „Readinger Adler" erschien'1797, die zweite die „Harrisburger Morgenröthe" 1799. Auch im 19. Jahrhundertwanderten deutsche religiöse Sekten nach Nordamerika aus, so 1805 Rapp mit 500Anhängern zuerst nach Harmony in Pennsylvanien, dann nach Neuharmony inJndiana, endlich 1824 nach Economy am Ohio, 1817 Bäumler mit 300 Anhän-gern nach Zoar in Ohio, beide aus Würtemberg, 1831 Proli auS Offenbach, 1838Stephan au§ Dresden mit 5—600 Gefährten nach Apple Creek, in Miffuri, 1845aus Büdingen (Wetterau) 6000 Separatisten nach Ebenezer in Georgien. ImStaate Neuyork wurde 1843 auch der Lehrstuhl für deutsche Sprache und Litera-tur an der Hochschule zu Neuyork errichtet.

Für die religiösen Bedürfnisse der Deutschen in Nordamerika wird vom Mutter-lande aus durch Sendboten gesorgt, für die Protestanten in 1307 Gemeinden mit 558Predigern, welche seit 1826 ein eigenes Seminar besitzen, durch den allgemeinen Evan-gelischen Scndverein für deutsche Protestanten in Nordamerika, für die 300000 Ka-tholiken mit 500 Priestern in dem Erzbisthum Baltimore und 20 Bisthümern durchdie wiener Leopoldinenstiftung zur Unterstützung der deutschen katholischen Missionenin Nordamerika, welche jährlich etwa 40000 Gld. Conv.-M. zu verwenden hat. DieHochdeutsche resormirte Kirche in Nordamerika, mit Seminar, das 1824 in Carlisleerrichtet, 1829 nach Jork, 1836 nach Mercersburg verlegt wurde, hielt 1746 ihre ersteSynode und zählt gegenwärtig 600 Gemeinden mit 75000 Mitgliedern und 104 Predi-gern, ist aber schon sehr englisirt. In den Hauptstädten des Landes sind: in Philadel-phia 16—20000 Deutsche, mit drei lutherischen, einer resormirten, einer Methodisten-und zwei römisch-katholischen Kirchen, einer Synagoge und einer Halle der Rationalisten;die Deutschen bilden drei Jnfantericcompagnien, eine Jäger- und eine Artillericab-theilung, zusammen ein Bataillon. Cincinnati in Ohio hat besonders 1812 —18deutsche Einwanderer, hauptsächlich Schweizer und Würtemberger empfangen undzählt jetzt 28000 Deutsche. Es bestehen hier vier deutsch-evangelische Kirchen, eineenglisch-lutherische, eine deutsche Methodisten- und eine katholische Kirche nebst Wai-senhaus. In Neuyork gibt es eine deutsch- und eine englisch-lutherische Gemeinde,eine deutsche Episkopalgemeinde, eine deutsch-rcformirte, eine Rationalisten-, eine rö-

*) In diesen Staaten ist seit 1835 die deutsche Sprache der englischen in der Gesetzgebung,Rechtspflege, Verwaltung u. s. w. gesetzlich gleichberechtigt worden.