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Erster Band.
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112 Die preußischen Ostprovinzen und ihre Weltstellung.

gingen sie so weit, die Errichtung einer besondern Zollgrenze gegen das Vereinsgc-biet, sactisch also eine Auflösung des Zollvereins, zu sodern und obendrein sich gegenalle Maßregeln zu erklären, welche die fremden Handelsmächte znr Billigkeit gegenuns bestimmen und unsere Einheit fördern sollen, Maßregeln, welchen fast der ganzeübrige Theil des Zollvereins mit Sehnsucht entgegenblickte.

Es ist nicht zu leugnen, daß die Ostseeprovinzen bei ihrer isolirten Lage vonden Vortheilen, die der bisherige Schutz deutscher Industrie gebracht, nur den aller-geringsten Antheil erhalten, daß sie mit ihren landwirthschaftlichen Erzeugnissen vor-zugsweise noch aus den ausländischen Markt gewiesen sind, daß namentlich derEisenzoll auf das ohnehin über wenig Hülfsquellen gebietende Land schwer drücktLag es mithin in den Verpflichtungen des Landtags, auf Abhülfe dieses AustandrSernsthaft zu dringen, so hatte er doch nicht die richtigen Mittel dazu angedeutet, undseine Vorschläge hatten keine Aussicht auf Erfolg. Was der Landtag federte, komiüdie Lage der Provinzen im Ganzen wenig verändern; gründlich kann das nur da-durch geschehen, daß aus den bisherigen halben Maßregeln des Deutschen Zollvereinsendlich ganze werden, daß an die Stelle des Schwankens Entschiedenheit, an diiStelle undeutlich gedachter Zwecke ein festes Ziel, an die Stelle von Palliativ«stark und unmittelbar wirkende Maßregeln gesetzt werden. Sollten damit sowie nnlBegründung eigener Gewerbe und selbständigen Handels selbst anfänglich einige Nach'theile verknüpft sein, so werden sich diese später durch die nachhaltigen Wirkung«des vermehrten Verbrauchs und Verkehrs vielfach wieder ausgleichen. Wird dudeutsche Patriot um einiger vorübergehenden Beeinträchtigungen willen ein Systemvon der Hand weisen, das uns allein dauernd Einheit, Macht und Größe bring«kann? Darf man dem System zur Last legen, was allein Folge seiner mangelhaf-ten Ausführung ist? Denn Schutzzölle, nur sporadisch und nach Willkür angewendetsind allerdings eine Ungerechtigkeit. Dieselben beschränken einerseits die Konsumen-ten in der Freiheit wohlfeil zu kaufen, verhindern sie in vielen Fällen von günstig«Conjuncturen, die fremde Übererzeugung und Handelsklemmen gewähren, vollständige»Gebrauch zu machen, andererseits aber wird ihnen dadurch, daß diese Maßregeln kei»zusammenhängendes, alle Gewerbe umfassendes Ganze bilden, die natürliche und bil-lige Entschädigung verkümmert, die durch den vermehrten Verbrauch der Fabrikar-beiten und den größer» Schwung der heimischen Gewerbe gegeben ist. Bei eine«solchen Verfahren werden die anfänglichen und vereinzelten Nachtheile der Schuß-maßregeln Allen gemeinsam, ohne daß sich die Vortheile dabei in gleicher Weise ent-falten können, und so kann es kommen, daß in einzelnen Landestheilen der Gedankterwacht, sie seien dazu bestimmt, dem Vortheil Anderer fortwährende Opfer zu brin-gen. Der Vorschlag des Landtags auf eine neue Zollgrenze im Innern stellte sich nachseiner politischen Seite vollends als unhaltbar dar. Eine neue Zollgrenze innerhaltdes Zollvereins, innerhalb Preußens! Es wäre damit das Vereinsband gelöst wor-den, auf dem so lange die besten Hoffnungen Deutschlands beruhten.

Der ost- und westpreußische Landtag hat damals auch im Interesse dieser Pro-vinzen Verwahrung gegen die weitere Ausdehnung des Schutzsystems überhaupt einge-legt, und gegenwärtig sollen noch viele sonst einsichtsvolle Männer gegen Einführung jedoSDiffenntialzollsystems, und wär's das freisinnigste, eingenommen sein. Der Grund,welcher den Landtag damals zu jenem Beschluß geleitet hat, liegt, wie er selbst sagt,in der Besorgniß, England, das schon durch die Erhöhung der Eisenzölle (mit eine«mildern Zollsatz zu Gunsten Belgiens) aufs höchste gereizt worden sei, das schondurch die kanadische Weizenbill (die von selbst aufgehört), durch die Verträge »>>!Rußland, Hannover und Mecklenburg die Landwirthschaft sowol als die Rhedereider Ostseeprovinzen empfindlich getroffen, werde, wenn die Twistzölle ebenfalls erhöh!würden, zu den allerverderblichsten Repressalien greifen, die das fernere Bestehen derpreußischen Landwirthschast und der dortigen Handelsplätze in Frage stellen müM-Daß man, und zwar in einer Versammlung so muthiger Männer, wie anerkanntdie preußischen Stände sind, da Gefahren sah, wo keine waren, kann jetzt Jedermann