Die preußischen Ostprovinzen und ihre Weltstellung. 117
—26 waren für die in allen Landern zurückgesetzte preußische Nhederei so ungünstig,daß sie selbst nach dem Frieden noch fortwährend herabsank, vorzüglich weil die übri-gen Flaggen von ihren nationalen Gesetzgebungen zu sehr begünstigt wurden, und weilEngland damals seine Zolle aus preußisches Getreide und Holz auf eine völlig prohibi-rende Höhe steigerte. Sie sank von 73618 Lasten im Jahr 1813 auf 58007 La-sten im Jahr 1825, indem damals wie heute der Ausfuhrhandel nach England mehrals zwei Drittheile der ganzen preußischen Nhederei beschäftigte. Erst seitdem esPreußen gelungen war, England durch Drohungen zu einer etwas erträglicher» Be-handlung der preußischen Schiffe zu bewegen (Vertrag von 1821, mit den erweiter-ten Bestimmungen von 1826), und in den Jahren 1826 — 28 die ersten Ermäßi-gungen der britischen Kornzölle und des Tarifs überhaupt stattfanden, erst dann hobsich die Nhederei wieder in immer rascherer Zunahme, sodaß sie sich in den 21 Jahrenvon 1825 —16 der Lastenzahl nach fast verdoppelte. Doch kommt, wie gesagt,diese Zunahme hauptsächlich auf Rechnung der pommerschen Häfen, die von der rus-sischen Grenzsperre wenig leiden. Zm Jahr 1833 lieferten Pommerns und Preu-ßens Schiffswerfte nur 18 neue Schiffe, 1851 nur 16, 1835 und 1836 in jedemJahre 19; in den folgenden Jahren aber 31, 18, 95, ja im Jahr 1810 und ebenso1811 sogar 103, dann 1813 nur wieder 55 neue Schiffe. In den Jahren 1819—11 sind in Preußen im Ganzen 921 neue Seeschiffe hergestellt worden. Über-haupt muß man den preußischen Rhedern nachrühmen, daß sie neuerdings überall wü-thige Anstrengungen gemacht haben; ihre Fortschritte würden aber noch weit bedeuten-der sein, wenn ihnen nicht der gehörige Beistand Seitens des Staats gefehlt hätte,die äußere Ungunst und die Schwierigkeiten der Tage zu überwinden.
Den pommerschen Häfen gegenüber sind die preußischen sammt und sonderszurückgegangen. So lange Preußen Danzig noch nicht besaß, ward Elbing gehoben,sodaß es 1780 an 11320 Lasten Getreide verschiffte, während es unter polnischerHoheit (1758) nur 1587 Lasten verschifft hatte. Gegenwärtig ist Elbing noch mehrals Danzig herabgekommen, ein Beweis, daß der Grund nicht in ihrer gegenseitigenStellung zu suchen ist. Elbing hatte 1805: 21 Schiffe von 2870 Lasten, 1811 nur12 Schiffe von 1923 Lasten. Auch Königsberg hat von seinem alten Wohlstandswenig gerettet. Der werthvollste Theil der Erzeugnisse, welche ihm früher zuström-ten, nimmt jetzt auf dem Dniepr seinen Hauptzug nach dem Schwarzen Meere. Dochauch das Königsberg und Memel nächst ungehörige Handelsgebiet, namentlich pol-nisch Lithauen, ist ihnen verschlossen. Die Kanäle, welche vormals dienten, um Waa-ren aus andern Flußgebieten der Memel zuzuführen, erleichtern es gegenwärtig derrussischen Zollverfaffung, ihr in entgegengesetzter Richtung Waaren zu entziehen, selbstdie Düna hinab nach Riga. Königsberg hatte 1805: 82 Schiffe von 12327 La-sten, 1825 nur 13 Schiffe von 1617 Lasten, 1831 gar nur 11 Schiffe, aber von
sicherungen von oben getraut hatten, daß keine Störung der friedlichen Verhältnisse in Aus-sicht stände, wurde Embargo gelegt. „Sieben Achttheile des ganzen preußischen Handels",rühmte das Organ des britischen Ministeriums, „hängen von England ab, während nicht einArtikel der ersten Nothwendigkeit uns durch Schließung der preußischen Häfen vorenthaltenwerden kann." Und eine solche kommerzielle Abhängigkeit Preußens war leider nur zu sehrbegründet. „Ein blühender Handel", schreibt ein deutscher Zeitgenosse, „war fast ohne Wi-derstand zu zerstören, und ein neues weites, fast gefahrloses Feld war der britischen Kapereieröffnet, einer Kaperei, aus welcher selbst die königliche Familie einen bedeutenden Theil ihrerEinkünfte zog." Die britischen Kriegsschiffe wurden ermächtigt,,.die preußischen Schiffe alsPrisen aufzubrigen, den Privaten wurden Kaperbriefe ertheilt. Über 400 preußische Schiffewurden damals von den Engländern genommen und ungeheure Summen daraus gelöst. Zu-gleich blockirten die Schweden, in Verbindung mit den Engländern und gestützt auf „Schwe-disch-Pommern", alle Ostseehäfen Preußens, sowie die Mündungen der Weichsel, Prcgel, OderDon den übrigen preußischen Schiffen hatten sich viele in französische Häfen ge-Iluchtet, d,e dann auch meist verloren waren, als Preußen mittlerweile in den Krieg mit Frank-reich hineingsrissen wurde. Die Rheder haben nie Ersatz dafür bekommen, und sie waren fürSeit entmuthigt, sodaß der Schiffbau erst in den dreißiger Jahren wieder anfing auf-