123
Die preußischen Ostprovinzen und ihre Weltstellung.
>er Z9 Schiffe mit 7189 Lasten, 1846 gar nur 20 Schiffe mit 3243 Lasten. Vonch, L>en 24 Schiffen mit 4626 Lasten, welche den ganzen Handel mit Brasilien ver-
mt mittelten, waren nur zwei preußische, die daher mit 413 Lasten kamen, während sich
m, gar keine Ladung dahin für preußische Schiffe unmittelbar darbot. Es waren schwe-bn ' dische, englische, hansische und dänische Schiffe, welche in indirecter Fahrt den Der-en. kehr mit Amerika vermittelten.
>en Man behauptet, daß, da sich jetzt so gut wie keine Hinfrachten aus unsern
hr- Ostsceländern nach den transatlantischen Ländern darbieten, sich gar kein regelmäßiger
die Schiffahrtsverkehr dahin und zurück bilden könne, und daß dieser Handelszweig fol-ge- chen Nationen anheimfallen müsse, welche mehr Gelegenheit für transatlantische Fahr-
:ne ten haben und sonst dazu gelegen sind. Dies ist wol aber ein gefährlicher Irrthum,
25 der traurige Zustände der Gegenwart gleichsam als unwandelbar annimmt. Die
:7. Ostsee fodert ohne Zweifel viel mehr zu directer Verbindung mit Amerika auf als
ach das Mittelländische Meer, und gewiß darf Stettin den Gedanken an eine solche Der-en. bindung gerade jetzt nicht aufgeben, wo Trieft daraus ausgeht, seine Verbindungen
am nach Ost- und Westindien, nach Brasilien und nach China auszudehnen. Wenn
ffe- Stettin der Hafen sein will für die brandenburgischen und schlesischen Zndustriebe-
>en zirke, dann muß es auch Vorsorge treffen, den Gewerbszweigen dieser Gebiete die
m- fremden Märkte zu erschließen; dann muß es auch die Colonialwaaren und alle
transatlantischen Producte direct gegen deutsche Fabrikate einzutauschen suchen, ebenso)en wie Hamburg und Bremen solches für ihre Kreise vermitteln. Und wie bald kann
ten sich für die preußischen Ostseehäfen auch der Markt für den Absatz von Colonial-
pt- Waaren wieder erweitern, können die Grenzen Polens sich wieder aufthun, kann ih-
m- rem Unternehmungsgeiste der weiteste Spielraum sich erschließen! Wollen die Ost-
lla- seehäfen auch dann noch die fremden Producte nur aus europäischen Häfen holen?
;en Wollen sie sich nicht lieber vorbereiten, der heranbrechenden größer« Tage sich ge°
eu- wachsen zu zeigen, als zaghaft auf eine Weltrolle im Handel und in der Schiffahrt
iffe Verzicht leisten? Und endlich, haben die Ostseeländer für immer resignirt, noch ein-
mit mal eine starke lebenskräftige Industrie zu besitzen, ohne welche selbst ihr Landbau
an- nicht jene Blüte erreichen wird, deren er fähig ist? Die Besorgniß in Rücksicht
fei, des Exports beruht auf der jetzigen nationalökonomischen Lage der Ostseeprovinzen,
86 welche im Ganzen vorerst wesentlich noch Feld- und Waldbauländer sind. Die Ge-sas werbe der Stoffveredelung sind in sämmtlichen Ostseeländern noch von geringer Be-
!45 deutung: einige Ölmühlen, Eisengießereien für Anker, Leinweberei in Ermeland, meist
ldet grobes Garn und zum nächsten Bedarfe; ferner Rübcnzuckerstederei und Brennereien,
mit welche mit der Ausfuhr von Spiritus in Zunahme begriffen sind, trotz des steigen-
rur den Mitbewerbs des aus Rohrzucker, Reis und Weintrauben gewonnenen. Des-
der gleichen nimmt die Ausfuhr von Wolle landwärts zu. Die in Tilsit und Memel
iur errichteten Oldampfmühlen erfodern den größern Theil von Leinsaat, der stromabwärts
ach und aus Polen zu Markte gebracht wird. In den Seestädten herrscht keine Neigung
je). zu Fabrikarbeiten, und bei der schwachen ackerbauenden Bevölkerung dürfte noch ge-
ren räume Zeit verstreichen, ehe der Fleiß im Großen auf andere Nährzweige sich richtet,
lick- Allein es ist thöricht, den Versuch zur Begründung von Manufacturen in Preußen
ten, künstlich und unnatürlich zu finden, während Rußland bei weit dünnerer Bevölkerung
äffe und geringern Capitalen die größten Anstrengungen dazu macht. Es hieße leugnen,
!40 daß die Ostprovinzen noch große nationalökonomische Fortschritte für ihren Wohlstandmit zu machen haben. Allerdings müssen diese Fortschritte möglichst ohne Sprünge, sie
mit müssen auf fester Basis, und ohne die dafür unerläßlichen Grundbedingungen zu
end stören, geschehen. Zu diesen Grundbedingungen, wie schon erwähnt, gehören: ge-
mit meinförderliche Einrichtungen, Kanäle, Straßen, Eisenbahnen, vcrfügliches Capital,
nm Credit, an welchen Dingen die Ostprovinzen ärmer sind als irgend ein anderes deut-sche sches Land. Ein großer Theil des Bodens ermangelt sogar noch gänzlich der Ur-ins- barmachung; gebildete Arbeitskräfte, fremde Capitale und geschickte Einwanderer thun
nur Hrmgend noth.