Band 
Erster Band.
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122 Die preußischen Ostprovinzen und ihre Weltstellung.

und ihres Gebiets, daß es gerade in der Mitte der deutschen Ostseeküste und an deram tiefsten nach Süden einschneidenden Bucht des Meeres liegt, besonders aber noch,Laß e§ ein freies offenes Hinterland hat und die Oder durch keine Flußzölle gelähmtist. Hat Hamburg den holsteinischen, mecklenburgischen, magdeburgischen Reichthum,die sächsische, thüringische und böhmische Industrie Hintor sich, so hat Stettin dengesegneten Oderbruch und die brandenburgische und schlesische Industrie im Rücken.Nur ein stark producirendes und ein stark consumirendes Hinterland macht aber denHandel der Seestädte groß. Die massige Natur der meisten preußischen Ausfuhr-artikel erklärt, daß die preußischen Ausfuhren dem Gewichte nach beiweitem dieEinfuhren übertreffen; es liegt darin allerdings ein dauerhaftes Fundament der eige-nen Rhederei. Im Jahr 1846 sind z. B. aus preußischen Häfen 2152 beladeneSchiffe mit 253338 Lasten ausgelaufen und nur 1247 beladene Schiffe mit 146625Lasten eingelaufen: das Verhältniß des Eingangs zum Ausgang ist daher wie 4:7.Die massigsten jener Ausfuhrartikel aber, wie Getreide, Holz, Fett gehen nicht nachAmerika, sondern nach England, Frankreich, Holland, Dänemark, Norwegen, Schweden.Hieraus erklärt sich, daß die preußischen Rheder lau blieben, als es sich jüngst umBegünstigung des directen Handels mit den transatlantischen Ländern durch Diffe-rentialzölle handelte, und daß sie einem solchen Systeme directe Prämien vorziehenwürden. Sie besorgten, obwol mit Unrecht, eine Benachtheiligung ihrer Beziehun-gen zu den westeuropäischen Ländern, eine Gefährdung ihrer Interessen.

Im Gegensatz zu der hansischen, der niederländischen und der neu entstehendenrheinischen war unverkennbar die ostpreußische Schiffahrt vorzüglich auf den indirectenBezug transatlantischer Erzeugnisse angewiesen, weil sie ihren directen Absatz haupt-sächlich in jenen europäischen Ländern hat, welche Awischenplätze für die transatlan-tischen Producte sind. Die preußischen Schiffe finden an den letztem ihre Rückla-dungen in jenen europäischen Häfen, und sie haben daher wenigstens in dieser engenFahrt auch das Übergewicht. Beiweitem der bedeutendste Schiffahrtsverkehr Preu-ßens ist der mit Großbritannien: im Jahr 1846 betrug er 3393 beladene Schiffemit einer Ladung von 403257 Lasten, und davon waren 2030 preußische mit277929 Lasten und nur 847 britische mit 83783 Lasten, obwol sonst Großbritan-nien im Ganzen seinen auswärtigen Verkehr zu zwei Dritteln in eigenen Schiffenbetreibt. Im Jahr 1846 bestand der preußische Seeverkehr insgesammt aus 498486Lasten, wovon 334606 Lasten in preußischen Schiffen gefruchtet wurden, d. h. etwasweniger als zwei Drittel der Frachtgüter fielen der preußischen Flagge anheim (1845war es etwas mehr als zwei Drittel). Der nächst größte Schiffahrtsverkehr findetmit den Niederländern statt. 1846 belief sich derselbe auf 860 beladene Schiffe mit58957 Lasten, worunter 448 niederländische Schiffe mit 26994 Lasten und nur239 preußische Schiffe mit 21568 Lasten. Hierauf folgt der Lastenzahl nach derVerkehr mit Frankreich, nämlich: 52453 Lasten, wovon 39905 auf preußische und nur2074 auf französische Schiffe fallen. Dann folgt der Verkehr mit Dänemark, durch721 beladene Schiffe mit 30345 Lasten (18464 preußische und 9886 dänische).Die meisten nach Dänemark und Frankreich gehenden preußischen Schiffe kehrenübrigens nicht direct zurück, sondern besuchen noch andere Häfen wegen Rück-frachten. Im norwegisch-preußischen Verkehr, 1846: 805 Schiffe mit 28858 Lasten,hat die normannische Flagge die preußische völlig überflügelt, in dem Verhältnissevon 20:1; hingegen steht das Verhältniß im preußisch-belgischen Seehandel, 240Schiffe mit 21247 Lasten, zu unsern Gunsten. Ebenso waren es im Verkehr mitPortugal und Spanien von 79 Schiffen mit 12823 Lasten 68 preußische mit11686 Lasten, die ihn vermittelten. Die schwedische Flagge stehp wieder bedeutendim Vorzüge, denn an dem schwedisch, preußischen Verkehre auf 181 Schiffen mit8827 Lasten waren 159 schwedische mit 7582 Lasten betheiligt. Dagegen nahmenam russisch-preußischen Verkehre von 119 Schiffen mit 9102 Lasten 77 preußischemit 6237 Lasten Theil. Der directe Verkehr der preußischen Ostseehäfen mit trans-atlantischen Märkten ist sehr gering. Mit Nordamerika vermittelten ihn 1845 nur