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Erster Band.
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Die preußischen Ostprovinzen und ihre Weltstellung.

gend so gering als in Deutschland. In Amerika belaufen sich die Kosten wegender hohen Arbeitslöhne am höchsten; in England wieder höher als in Holland, undvon da ab werden sie in Deutschland je mehr nach Osten immer geringer, bis siezuletzt nur ein Drittel der Kosten, im Vergleich zu den amerikanischen Freistaa-ten, betragen. Zu Rotterdam, wo man Wohlseiler als in England baut, kostet eingutes, kupferfestes und gekupfertes Schiff 116—120 Thlr. für die Tonne; zu Am-sterdam 106 —110; in den Hansestädten schon viel weniger; in Mecklenburg unter70 Thlr.; zu Stettin 50, zu Königsberg gar nur 40 Thlr. Hier berechnet manfür die Beköstigung der Seeleute 8 Sgr. täglich, in England und Holland mehr alsdas Doppelte, in Nordamerika, wo der Arbeiter freilich ungleich besser als bei unszu leben gewöhnt ist, noch mehr. Sollte man unter solchen Verhältnissen nichtmeinen, daß unsere Ostseegestade im Schiffbau und den damit verbundenen Gewer-ben, daß sie in der Rhederei und allen Zweigen des so hochwichtigen Fischfanges alleübrigen Nationen weit überflügeln müßten? Und doch gilt eher das Gegentheil, beson-ders in der letztem Beziehung! Zwar fallen von den Ladungen für Ein- und Aus-gang in preußischen Häfen zusammen aus die preußische Flagge schwankend 55 —67"/,; wobei die Lastenzahl, die überhaupt von und nach preußischen Häfen durchdie Schiffahrt vermittelt ward, seit 15 Jahren von bald 400000 auf 700000 La-sten oder um nahezu 95°/, gestiegen (während die Einfuhren jedoch um 115°/, zu-nahmen, vermehrten sich die Ausfuhren nur um 75"/, der Lastenzahl nach) ist. Alleinjenes Verhältniß stellt sich in der That weit ungünstiger, wenn man bedenkt, daßdie preußischen Schiffe fast alle nichteuropäischen Producte aus europäischen Zwi-schenhäfen einführten, und daß sie den transatlantischen Verkehr noch sehr wenigbetreiben: statt aus den Ursprungsländern, führten sie nicht englische Waaren ausmglischen, nicht holländische aus holländischen, nicht französische aus französischenHäfen ein. Die wenigen Schiffe aber, welche auS transatlantischen Ländern directnach preußischen Häfen kommen, sind meist fremde, weil den fremden Flaggen dieConcurrenz im indirecten Frachkverkehr nach unsern Häfen bisher nicht im mindesten er-schwert worden, ungeachtet unsere Schiffahrt und unser Handel keine ähnliche Frei-heiten im Auslande genießen. Sandten doch im Jahr 1846 die Niederländer imindirecten Handel im Ganzen 97 Schiffe (57 von den Hansestädten, 52 von Nor-wegen, 15 von England, 5 von Belgien, 12 von Frankreich) und die Dänen 120Schiffe (71 blos von Norwegen, andere von England, Spanien, Italien, Brasilienu. s. w.) beladen in preußische Häfen!

Um die deutschen Ostseelande einer höhern Wohlfahrt entgegenzuführen, bedarfes endlich überhaupt der Durchführung einer kräftigen nationalen Handels- undSchiffahrtspolitik, die ohne ein auf wahre Gegenseitigkeit sich stützendes deutschesDifferentialzollsystem gar nicht denkbar ist. Wer nicht die Nothwendigkeit einerstarken nationalen Einigung der deutschen Seefahrt und damit des deutschen Welt-verkehrs begreift, der ist hinter seiner Gegenwart zurück, oder hat nicht die sittlicheKraft, fein engstes Privatintcressc an das Wohl des Ganzen zu wagen. Bei den:gegenwärtigen moralischen und politischen Aufschwünge der deutschen Nation wird end-lich auch Hamburg seine rücksichtslose und eindeutsche Politik ablegen müssen. Jeder-mann weiß übrigens recht wohl, daß dieses engherzige, bald in der, bald in jenerWeise aufgetretene Particularintereffe sich gegen die nationale Seefahrtspolitik nicht sohartnäckig vertheidigt haben würde, wenn sich da nicht ganz andere Kräfte als derHamburger Senat ins Feld gestellt hätten, englische Interessen nämlich, welche sichdurch die aufblühende deutsche Rhederei und Gewerbthätigkeit vielfach verletzt fühlen,zunächst in Hamburg. Unsere Ostseeprovinzen aber werden nach den Erfahrungender letzten Jahre nicht mehr fürchten, durch entschiedene Maßregeln britische Repres-salien gegen ihren Activhandel nach England hervorzurufen. Dieses Vorurtheil, dasso lange Preußen eingeschüchtert, war selbst schon bei der alten preußischen Regierunggefallen und ist des neuen Systems, unter den Auspicien Hansemann's, Camphau-