130
Die preußischen Ostprovinzen und ihre Weltstellung. >
rolle gelegt werden kann. Es gilt nicht den Dänen, denn eine skandinavische Unionwürden wir mit Freuden begrüßen, sondern den Russen, denen gegenüber jene zuschwach sind, die welthistorische Aufgabe des cimbrischcn Halses zwischen Nord- undOstsee zu erfüllen. Dänemark hat zwar bei friedlicher Ausgleichung Anspruch aufEntschädigung, insofern mit der Trennung Norwegens von Dänemark diesem gleich-sam durch einen Act Europas mit Rücksicht aus die Einnahme aus dem Sundzolleine Schuldenlast von 40 Millionen Bankthalern mehr aufgebürdet wurde, als ihm, ^wenigstens nach dänischer Rechnung, zukam. Allein die Ostseestaaten können wolauch eine Gegenrechnung als Entschädigung für zu viel erhobenen Zoll u. s. w. auf-stellen. Mit manchen seefahrenden Völkern, z. B. den Nordamcrikanern, die offenerklärt, den an sich nicht zu rechtfertigenden Sundzoll nicht anzuerkennen, bestehengar keine Verträge über denselben. In neuester Zeit ist die jährliche Einnahme ausdem Sundzoll auf ungefähr zwei Millionen dänische Mark-Banco-Thaler oder1,600000 Thlr. Preußisch geschäht worden (sie betrug gegen 1815 kaum die Hälfte),wozu Preußen allein ein Viertel unmittelbar und in Betracht, daß es auch einengroßen Theil des durch fremde Schiffe entrichteten Sundzolls in den vertheuertenWaaren mittelbar bezahlen muß, ein Drittel, wo nicht die Hälfte überhaupt, beige-tragen haben mag. Wer kann sagen, wieviel wohlhabender, bevölkerter und intensiv ^mächtiger die deutschen Ostseelande gegenwärtig sein würden, wenn der Sundzollbeim letzten allgemeinen Friedensschlüsse ganz beseitigt worden wäre!
Was zur Hebung der preußischen Ostprovinzen noch besonders noththut.
Sehr wichtig in politischer und nationalökonvmischer Hinsicht ist ferner eine schnelleund wohlfeile Verbindung zwischen den preußischen Ost- und Westprovinzen. Diepreußischen Ostprovinzen und die deutschen Provinzen des russischen Reichs erzeugen ^den beträchtlichsten Überschuß an Korn und Samen im nördlichen Europa, währenddas westliche Deutschland und die Niederlande deren bedürfen. Umgekehrt aber lie-fert der Westen dem Osten Wein, Eisen und eine Menge Fabrikate. Der bisherigeVerkehr war jedoch zu Lande zu kostspielig, zur See theils durch den Umweg unddie Kosten über Holland, theils durch den Sundzoll zurückgehalten, und freilich kommtauch der Eisenbahnentransport auf weiten Strecken für umfangreiche Roherzeugnissenoch zu theuer. Vermeidet man nun durch Anlage des Emskanals die holländischenKosten, durch den Besitz des Eiderkanals den Sundzoll, so ist auf einem nächsten,wenig gefährlichen Wasserwege die Entwickelung eines ausgebreiteten, für beide Theilehöchst wohlthätigen Verkehrs vorauszusehen. Der Emskanal, in gehöriger Breiteausgeführt, wird die Schiffahrt auf Ems, Rhein, Lippe und selbst auf der Ruhr 'beleben und deren baare Erträgnisse mehren helfen; er wird, seiner unmittelbarenVortheile für Westfalen nicht zu gedenken, den Umweg längs den breiten und ge-fährlichen Küsten Niederlands, die Seeversicherung und andere Kosten ersparen ,und den Verkehr unsers Ostens mit dem Westen vervielfältigen. Nicht blos derEiderkanal müßte sich beleben, sondern auch Glückstadt, das unterhalb des StadelZolls, dessen Stunde jetzt ebenfalls geschlagen, an der größten Tiefe der Elbd undan einer Mündung der Eisenbahn liegt, und wohin die größten Seeschiffe kommen skönnen, würde bald einen der wichtigsten deutschen Häfen bilden.
Die Belebung des Schiffsbaus in den Ostseeprovinzen dürste ebenfalls von gro-ßer Bedeutung sein, theils weil derselbe Nhederei, Handel und Fischerei belebenwürde, theils weil Schiffsbau mannichsache Eewerbszweige in Aufschwung bringt.
In den Seestaaten, namentlich in England und Holland, gilt die Blüte des Schiff-baus für das sicherste, Zeichen des allgemeinen Gedeihens. Die Ostseeprovinzen >besitzen alle Stoffe in Überfluß dazu, und wenn der Sporn nicht fehlte, so müßten !dort die größten Schiffswerste der Welt erstehen. Nächst Schweden und Norwegen,wo es meist an Geldmitteln zu größern Unternehmen fehlt, sind die Kosten für Bau undAusrüstung von Schiffen, sowie für Unterhalt und Löhnung der Mannschaft, nir- >