Die preußischen Ostproviuzen und ihre Weltstellung. 133
abgesunken, wird sich aber zuversichtlich wieder heben, da zu diesem Zweck in Lon-don ein großer Verein mit einem bedeutenden Capital zusammengetreten ist. AlsUrsachen jener Abnahme bezeichnet der bekannte, Nheder Enderby: die Herabsetzungdes Zolls auf fremde Pflanzenöle und auf Olsämercien (seit 1821, wo nur eineTonne fremder Thran in England eingeführt wurde, 1845 dagegen 4272 Tonnen);die Einziehung der den Walfischfängern bewilligten Prämien; die Aufrechthaltungder Abgaben von Schiffbau- und Ausrüstungsmaterial; die nordamerikanische Con-currcnz; die den Walfischfängern der Colonien ertheilte Abgabenfreiheit. Die Fran-zosen hatten 1790 gegen 40 Walfischfänger, die während der Continentalsperre ein-gingen; indessen suchen sie jetzt durch bedeutende Prämien den wichtigen Zweig wie-der emporzuheben. In Deutschland besitzen außer Bremen auch Hamburg, Oldenburg,Mecklenburg, Hannover, Holstein Walfischfänger. Holland beschäftigte darin einst200 Schiffe, und läßt es noch heute nicht an Prämien fehlen. Belgien legt sichmit seiner bekannten Thatkraft darauf, und auch die Russen geben sich alle Mühe.Den Nordamerikanern aber gewährt der Walsischfang jährlich eine Brutto-Einnahmevon neun Millionen Thalern, wovon zwei Drittel mindestens durch den Verkauf dergewonnenen Fettwaaren und des Fischbeins aus der Alten Welt kommen; namentlichbezahlt Deutschland durch Vernachlässigung dieses Industriezweigs jährlich einen be-deutenden Tribut an die Nordamerikaner. Daß wir mit ihnen aber leicht concurri-ren können, ist unzweifelhaft, wenn die Regierungen nur einige Begünstigungenhinzutreten lassen und namentlich den vaterländischen Walfischfängern vorläufig we-nigstens die Eingangssteuer erlassen. Außer dieser Art Differentialzoll zu Gunstenaller selbstgewonnenen Products des Walfischsangs, den Preußen bereits nebst einerallgemeinen Prämie bewilligt (ein Thaler für den Centner oder 10 —12 vomMarktwerthe), wäre zu empfehlen: Erlaß der Eingangssteuer für das z»rn Baunnd zur Ausrüstung von Walfischfahrern erfoderliche Material, unter Umständen auchPrämien für Bau und Ausrüstung derselben, dann mäßige Entschädigungen fürAusfalle an dem Ertrage, wie Holland sie mit Erfolg angewendet hat. Der Staat,ohne sich selbst mit dem Walfang zu beschäftigen, sollte ferner den sich bildendenGesellschaften, die möglichst zu vereinigen wären, aus eine Reihe von Jahren einenmäßigen Zinssatz garantiren, und zwar unter folgenden Bedingungen: der Staatunterhält auf jedem Schiffe auf eigene Kosten einen Marineoffizier, um währendder Reise und sonstiger Feierstunden die Mannschaft in den Waffen zu üben; dieVereine sind verpflichtet, in Kriegszeiten ihre Schiffe gegen Bezahlung an den Staacabzutreten, wenn sie nicht selbst Kaperbriese zu lösen vorziehen; auch Participiren dieSeecapitaine und die Mannschaft, außer ihrem Lohne, an dem Gewinn. Durchsolche Begünstigungen nnd Einrichtigungen würde Deutschland bald Thran undFischbein wohlfeiler, mit weit geringern Kosten als die Amerikaner selbst gewinnen,seinem Schiffbau und seiner Rhederei aber einen mächtigen Sporn geben und zu-gleich einen festem Grund zu seiner Kriegsmarine legen.
Eine Kriegsflotte, deren Deutschland zum Schutze seines Handels und seinerKüsten nothwendig bedarf, verursacht viele Kosten, und daher sind solche Mittel be-sonders zu ergreifen, welche größern Seeschutz verschaffen, ohne dabei die Staatsfi-nanzen zu sehr zu belästigen, und die zugleich zur größern Ausdehnung des See-handels, sowie zur Bereicherung der Nation beitragen. Zu diesen Mitteln gehörtebenfalls die Errichtung von zahlreichen Dampfschiffahrtslinien, wobei die Dampferso einzurichten, daß sie im Kriege armirt werden können. Bei der BeschaffenheitDampfschiffe zur Küstenvertheidigung und zur Ausführung von«sschießungen und überraschenden Angriffen vorzüglich geeignet sind, dürfte einetüchtige Dampfmarine namentlich für das ausgedehnte Küstengebiet Preußens vonhohem Belange sein, obschon die Hauptstation der deutschen Flotte natürlich die sal-zigere Nordsee bleiben würde. Also Erziehung einer Kriegsmarine in der Handels-'^ großen Fischerei und der Dampfflotte, daneben directer Flottenbauaus Kosten des Bundes! Süddeutschland ist dabei ebenso sehr betheiligt als Nord-