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Die preußischen Ostprovinzen und ihre Weltstellung.
deutschland; die süddeutschen Auswanderer, die süddeutschen Jndustrieerzeugnisse ent-behren auch eines kräftigen Seeschutzes; man suhlt allgemein die Schmach, daß diedeutsche Küste jetzt jedem feindlichen Angriffe blosgestellt liegt, daß die Deutschen inder Fremde noch niemals bei politischen Umwälzungen für den erlittenen Schadenund die zugefügten Mishandlungen Entschädigung erhalten haben. Sehr viele Mil-lionen werden zur Erbauung von Festungen in Süddeutschland verausgabt, ohne daßsich die norddeutschen Staaten geweigert hätten, dazu beizutragen; sollten denn diesüddeutschen Regierungen nicht auch beitragen, wo es sich um die größten National-zwecke handelt? Ein Kriegsschiff ist auch eine Beste, nur von höherm Werthe alsdie feststehende, weil es beweglich ist und nicht umgangen werden kann. In denVerhältnissen von Schiffahrt und Handel, als der Hauptform des Weltverkehrs, inden Verhältnissen zum Auslande zeigt es sich am ersten, ob ein Volk wirklich ein Volkist, fühlt der Einzelne am deutlichsten, was es heißt, einer geachteten Nation anzu-gehören. Noch fehlt dem deutschen Kaufmann im Auslande der Schutz einer mäch-tigen Flagge; in streitigen Fällen müssen die Deutschen sich dort durch England,Frankreich, die Vereinigten Staaten beschützen lassen, weil ihre Regierungen es nichtthun — und darum oft ihre Gleichgültigkeit gegen das eigene Vaterland. Das am-sterdamer „Iliiuckslsblsä" enthielt vor kurzem «in beherzigenswerthes Geständniß. Essprach von der bewundernswürdig thätigen Natur des britischen Handels und beklagte,Gleiches nicht mehr von dem niederländischen Handel rühmen zu können. „Nieder-land kann darum", sagte es, „in Handel und Schiffahrt außer Europa mit denEngländern nicht wetteifern, weil der britische Seehandel durch zwei Stützen gehal-ten und gehoben wird, deren wir entbehren, nämlich durch Kriegsgeschwader, welcheallen Völkern Achtung vor der Nationalflagge einflößen, und durch zahlreiche Con-suln, die zugleich mit einem diplomatischen Charakter bekleidet sind." Auch für unsnaht der ruhmvolle Tag, wo diese beiden so nothwendigen Stützen der deutschenSchiffahrt und dem deutschen Seehandel nicht mehr fehlen werden, und wo diedeutsche Bundesflaggc, gestützt auf Ein politisches und handelspolitisches Gesetz un-serer Nation, sich fröhlich über die Meere entfalten wird!
Es ist ein Heischesatz der politischen Vernunft, daß Deutschland, wenn es eineseiner Größe in der That entsprechende Weltpolitik beginnen und festhalten will, uner-läßlich eine Seemacht haben muß. Sind Rhein und Donau, ja in gewissem Sinnselbst Elbe und Oder etwa heute noch, wie vor zwei Jahrhunderten, da der Kur-fürst von Brandenburg es aussprach (1660), etwas Anderes „als fremder Natio-nen Gefangene"? Und sie sind es wesentlich deshalb, weil Deutschland, weil Preu-ßen zur See ganz ohnmächtig ist und, statt seinen stattlichen Küstcnsegen zu benutzen,seit den Zeiten der Hansa und des Großen Kurfürsten zusieht, wie andere Völkerdas Meer beherrschen. Dennoch könnte Preußen allein nöthigenfalls 25000 Ma-trosen aufbringen, und mehr hat Holland, hat selbst Frankreich nicht besessen, alssie den Seekampf gegen England mit wechselvollem Erfolge führten. Eine Nationohne Seemacht hat keinen Stützpunkt für ihre Schiffahrt, für Großhandel und Aus-breitung; sie wiegt wenig in den großen Weltverhältnissen, wenn sie nicht an siekommen, und übt keine Anziehung selbst aus verwandte Nachbarländer aus, wenndiese in erster Linie ein Seehandelsinteresse zu wahren haben. Ohne Seegeltungsprechen wir umsonst von dauernden Bündnissen mit den germanischen Nachbarn,vom Abschließen vortheilhafter Handelsverträge mit überseeischen Ländern, von deut-scher Colonialausbreitung und großem Seehandel; ja wir müssen oft sehen, wie dievon Natur uns zugehörigen Küstengebiete nicht in uns ihre Stütze und ihren natür-lichen Bundesgenossen erblicken, sondern in jenen Staaten, deren Politik uns amfeindlichsten gegenübersteht. Bieten wir den schwächer» Nachbarstaaten erst einensichern Anlehnungspunkt aus dem Meere dar, so werden sie sich lieber dem confö-derirten Deutschland, das ihre Unabhängigkeit nicht gefährdet, anschließen, als denandern vermöge ihrer Natur mehr zu Eroberung und Gewaltgriffen neigenden Groß-mäckt<m. Eine Flotte müssen wir ihnen zeigen, eine Seewehr, und alles Andere