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Erster Band.
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Das volkstümliche Heerwesen.

gungm des Manoeuvre fällt es ihm nicht ein, das Gewehr, wie dies sonst allent-halben geschieht, bequemer zu tragen, den Körper mehr gehen zu lassen, als aufdem Exercirplatz. Es ist daher wohl begreiflich, daß eine russische Schildwache, wieman erzählt, sich lieber von der andringenden Flut auf ihrem Posten ersäufen läßt,ehe sie auf eine größere als die vorgeschriebene Entfernung von der Stelle weicht.

Bei all dieser wahrhaft grauenerregenden Dressur bleibt man in Rußland kei-neswegs hinter den Federungen der Zeit in Betreff technischer Fortschritte zurück.Mit der unermüdlichsten Thätigkeit widmet sich der Kaiser der Vervollkommnungseines Heeres und entwickelt dabei nach allen Richtungen hin die größte Sachkenntnis.Jede neue wichtige Erfindung, welche mit den Eigenthümlichkeiten seines Heeres zuvereinbaren ist, wird so rasch ausgenommen, als es selbst die eifrigsten westeuropäi-schen Militairreformatoren nur wünschen können. So sind wol bis jetzt noch inkeiner Armee Büchsen nach dem Delvigne'schen System, welche konisch geformteKugeln schießen, im Großen angefertigt worden, wie dies von Rußland berichtetwird, wo bereits eine vollständige Garnitur solcher Büchsen vorräthig ist. Unbedenk-lich kann es ferner als ein Fortschritt gepriesen werden, daß die neu gebildeten Schützen-bataillone, mit deren Organisation General Namsay beauftragt war, nicht mehr inder unbehülflichen Dreigliederstellung, sondern in zwei Gliedern ausgestellt werden.Die in neuester Zeit fast allenthalben, selbst in Preußen angenommene Vereinfachungder Handgriffe mit dem Gewehr, sowie der in Frankreich und Preußen bereits län-gere Zeit eingeführte und von allen deutschen Armeen so sehnlich gewünschte Leibrock,statt des Uniformfracks, wurden dagegen in Rußland nicht angenommen, wol aberder preußische Helm, als eine zweckmäßige Kopfbedeckung, die der strengen maschi-nenmäßigen Haltung und Bewegung kein Hinderniß in den Weg legt, unbedenklicheingeführt. Verwundert kann man fragen: Und dies sind die Soldaten, vor welchenDeutschland zittern soll? Freilich, wenn die russische Heeresmacht keine andern Ele-mente in sich^schlöffe als diese starren Massen, so hätte Deutschland selbst bei großernumerischer Überlegenheit Rußlands nichts zu fürchten. Diese stummen Heerkörperlassen sich zwar mit der größten Hingebung schlachten, sie besitzen eine ungemeineWiderstandsfähigkeit und Ausdauer; es fehlt ihnen jedoch durchaus an jener freienBeweglichkeit, an jener activen Kraft, welche die westeuropäischen Heere auszeichnet,und welche die heutige Kriegführung eben nur deshalb verlangt, weil auch sie demDränge des Volkslebens nach freien natürlichen Formen nachgeben mußte. Wennman nun aber sieht, wie glücklich Das, was dem eigentlichen russischen Linienmilitair,dem Gros der Armee, an Beweglichkeit abgeht, durch die wahrhaft volksthümlicheBewaffnung des südlichen und östlichen Rußlands ersetzt wird, so wird man wenig-stens die innere Kraft des russischen Heerwesens zu achten gezwungen sein und sichzu der Frage veranlaßt finden: Welche volksthümlich organisirten Streitkräftcbesitzen wir, um den Elementen des russischen Heeres die Wagschale zu halten?Die Kosacken sind es, welche dem russische» Heere in Bezug auf Beweglichkeit, siche-res und rasches Handeln Fähigkeiten verleihen, die kein anderes europäisches Heerin gleichem Maße besitzt, und so wenig Wirksamkeit auch das russische Linienmilitair,für sich allein, ohne die Kosackenheere, besitzen würde, so brauchbar und kräftigwird es dadurch, daß dem eigenthümlichen, maschinenmäßig erdrückenden Wesen des-selben diese höchst bewegliche Kraft beigegeben ist, unter deren Schutz sich jenes ohneGefährde mit voller Wirkung entfalten kann.

Die Kosacken.

Man würde sehr irren, wenn man zur Beurtheilung der jetzigen russischenKosackenheere den Maßstab von 1813 anlegen wollte. Seit dem Regierungsantrittdes jetzigen Kaisers hat dieser Theil des russischen Heerwesens eine ungemeine Aus»merksamkeit erfahren, und eine Menge von Reformen sind an ihm zur Ausführunggebracht worden, sodaß die Kosacken nun nicht mehr jene wilden, undisciplinirten,schmuzigen, räuberischen Gesellen des Jahres 1813, sondern eine wohldisciplinirte