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Das volkstümliche Heerwesen.
blähte sich aus wie der Frosch in der Fabel, insbesondere in unsern Duodezkriegs-minisierien, und man würde am Ende, wenn diesem Hochmuthe durch die kräftigennationalen Bestrebungen Deutschlands nicht für immer eine Grenze gesetzt worden,in diesem eiteln undeutschm Streben das Schicksal des Frosches getheilt haben. Imachten deutschen Armeecorps blies man acht Jahre hindurch in die Posaune derdeutschen Einheit, und doch ist man jetzt gerade so weit gekommen, daß der hessischeSoldat einen altpreußischen Czako, der Badener einen bairischen Helm (so ist eswenigstens projectirt) und der Würtemberger ein französisches Käppi trägt. So gering- .fügig dieser Umstand scheint, so bezeichnet er doch vollständig Das, was auch in wich-tigern Dingen zur Förderung der deutschen Einheit in diesem Armeecorps bis jetztgeschehen ist. Wer die Überzeugung theilt, daß die Geschichte nirgend einen Sprungthut, daß die Entwickelung und der Fortschritt der Menschheit wie der einzelnenVölker allmälig und stufenweise geschieht, der wird sich nicht verbergen können, daßuns die Nachwehen dieser Volkskrankheit noch lange fühlbar sein werden, trotz man-cher blendender Erscheinungen der Gegenwart.
Was ganz besonders in den deutschen Heeren in die Augen fällt, sind jeneangedeuteten althergebrachten, starren disciplinarischen Formen. Je freier sich derMensch fühlt, desto weniger läßt er sich in abstracte Formen pressen, desto wenigerwird man durch Formenwcsen etwas mit ihm ausrichten; umgekehrt aber, je un-selbständiger, je knechtischer sein Geist, desto mehr bedarf er der strengen Vorschrift,die ihn allenthalben gängelt. Man täusche sich nicht über die in neuester Zeit ein-getretene scheinbare Verwandlung des Geistes der deutschen Heere. Unsere stehen-den Heere, wenn sie so organisirt bleiben, wie sie es jetzt noch sind, wenn sie ausden Elementen zusammengesetzt bleiben, aus welchen sie jetzt noch zusammengesetztsind, werden noch lange ihr bisheriges Wesen bewahren. Eine Erleichterung dieserFormen im französischen Sinne würde jedoch für sich allein, ohne weitere volksthüm- 'liche Einrichtung, auf die Schlagsähigkeit der deutschen Heere ebenso wenig wirken,als wenn man das unmöglich Gewordene, die russische Zucht, beim deutschen Mi-litair einführen wollte. Den nüchternen deutschen Charakter wird man, bei allerErleichterung der Disciplin, durch den Flittertapd militairischen Pomps, brillanteStichwörter: wie Ruhm, Soldatenehre u. dergl., ebenso wenig ködern und dadurchdem deutschen Heerwesen eine nachhaltige Kraft zu verleihen vermögen, als man ihndurch eine der russischen gleiche Zucht zu jenem blinden, knechtischen Gehorsam, zu jenerfanatischen Bedientenbegeisterung der Heere des vorigen Jahrhunderts oder der gegen-wärtigen russischen bringen wird. Die Nüchternheit des deutschen Wesens verlangtetwas Gediegeneres. Der Deutsche will wissen was er „schafft", er will Erfolgeseiner Arbeit sehen, einen heimischen Herd haben und darauf als ein freier Bürgerschalten und walten können. Daran hängt sein ganzes Herz. Dieser Sinn führtjährlich Tausende wohlhabender Familien über das Meer. Dagegen können ihn dieblinkenden, großthuerischen, unersprießlichen Spielereien des Soldatenlebens, wie sieder Frieden erzeugt, nicht fesseln; sie sind dem einfachen deutschen Sinne fremd undwerden ihm stets fremd bleiben. Stumm und theilnahmlos fügt er sich in sie, weiler eben muß. Das rohe, lärmende, unheimliche Treiben in der Kaserne mit dentäglichen und stündlichen Plackereien ist ihm im Innersten zuwider. Man frageherum im deutschen Lande, in den Kasernen, wie oft es einem deutschen Soldatenbisher einfiel, den ihm gestatteten größern Urlaub zu opfern und freiwillig im Dienstezu bleiben. Der ärmste Bauerssohn nagt lieber zu Hause am Hungertuch und stiert,als daß er sich freiwillig in das gezwungene Wohlleben der Kaserne fügte. Dieszeigte sich zu keiner Zeit deutlicher als in dem Hungerjahre von 1846 auf 1847.Trotz der Bereitwilligkeit, welche die militairischen Behörden in manchen deutschenStaaten bewiesen, armen unbemittelten Soldaten die Möglichkeit zu eröffnen, wäh-rend der größten Noth freiwillig im Dienste bleiben zu können, so wurde doch dieseVergünstigung wenig benutzt, obwol die Kaserne ein von Nahrungssorgen freies, jaim Vergleich mit dem, was zu Hause zu erwarten war, ein gutes Leben darbot.