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Der pariser SLraßenkampf vom Juni 1848.
durchgebrochen hatten, sodaß sie auf ziemlich weite Strecken von einem Hause zumandern kommen konnten; auch befanden sie sich hier in einer fast unüberwindlichenStellung wegen der engen Straßen und Gäßchen, wovon dieser älteste Fleck in Pariswimmelt, und in die man die Truppen nicht wol hineinrücken lassen konnte. DieKanonen brachen ihnen Bahn über den Pont Notre-Dame, und der Kampf begannauf dem Quai aux Fleurs. Das große Kleidermagazin der Belle Jardiniere, einungeheures sechsstöckiges Haus am Eck der Rue de la Cite, sowie ein anderes amäußersten Ende des Quai Napoleon gelegenes Haus, worin sich die Insurgenten ver-barrikadirt hatten, wurde von Kugeln zerlöchert, und die Cite, wie eine Festung,förmlich belagert. Ein Theil der aus ihren vordersten Stellungen vertriebenen In-surgenten zog sich über die Brücke des Hotel-Die» und die Brücke Samt-Michel nachden Hintergebäuden des Hötel-Dieu und den Häusern am Platz Saint-Michel zurück.
Fast die ganze Cite fiel in die Gewalt der bewaffneten Macht, die nach diesemblutigen Strauße das linke Ufer erreichte und dem in der Kirche Saint-Severinbefindlichen Generalquartier der Emeute gegenüber stand. Das Local dieses Gene-ralquartiers war klug ausgewählt, in gleicher Entfernung zwischen den Straßen La-harpe und Saint-Jacques, wovon die eine auf den Pont Samt-Michel, die andereaus den Petit-Pont zuläuft. Ungeheure Barrikaden sperrten diese beiden Brücken,und als dieselben mit Kanonen zerschmettert waren, sah man neue Barrikaden anden Ausmündungen jener zwei Straßen sich aufthürmen und alle Stockwerke derhohen Häuser mit Insurgenten besetzt, die hinter den Jalousien hervorschossen. ZehnStunden lang krachte hier fast in einem fort das Gewehrfeuer und donnerte hiervon zwei zu zwei Minuten schweres Geschütz. Zwei Kanoniere wurden aus ihrenGeschützstücken getödtet und fünf andere verwundet. Der Widerstand war hier des-halb so hartnäckig, weil, wenn der Petit-Pont und der Pont Saint-Michel vonden Truppen eingenommen und beseht wurden, die Insurgenten der beiden User nichtmehr miteinander verkehren konnten. Die Artillerie allein vermochte diesen Wider-stand zu beseitigen; das Cafe Mattrat, dem Pont Saint-Michel gegenüber, wurdemit Schüssen besäet, und am Petit-Pont wurde das Haus, worin die Ausschnitt-waarenhandlung der Deux Pierrots, am Eck der Nue Saint-Jacques, von den Ku-geln ebenfalls sehr hart mitgenommen. Um 3'/- Uhr waren die Truppen Meisterdes Platzes Saint-Michel, des Hötel-Dieu und der umliegenden Häuser, worin sichdie Meuterer festgesetzt hatten. Dieselben wurden weiter zurückgeworfen und zogen sich,immer erbitterter mit ihren zunehmenden Verlusten, nach dem Platz Maubert hin,wo das Gefecht hitziger als je wieder anging. Nach einem Kampfe, der nicht weni-ger als zwei Stunden dauerte, wurden sie auch aus dieser Stellung verdrängt undzogen sich nun die Rue Saint-Victor hinauf bis an die Weinhalle, wo sie sich vonneuem festsetzten und mit den ihnen nachsetzenden Truppen Flintenschüsse wechselten.Im Faubourg Saint-Marceau war das Treffen ebenso hitzig. Die Insurgenten ver-theidigten Schritt für Schritt alle Barrikaden, die sie in gewissen Abständen errich-tet; gegen Z'/r Uhr endlich wurden sie von den Truppen aus den Hauptpositionen ihresQuartiers verjagt. In dieser hauptsächlich von Trödlern, Weinwirthm, Gerbern,Färbern und Lumpensammlern bevölkerten Stadtgegend war die Erbitterung so arg,daß Weiber siedendes Wasser und Öl aus den Fenstern auf die unglücklichen Sol-daten Herabgossen. Andere Weiber halfen die Barrikaden mit vertheidigen, oder siestellten sich mit Säbeln und Piken, fürchterlich schreiend, den Soldaten entgegen undschimpften gleicher Weise die Fliehenden und Anrückenden, jene als Memmen, dieseals Feinde. Mit wahrer Furienwuth suchten sie den Soldaten die Gewehre zu ent-reißen, und mehre von diesen entzündeten Megären feuerten aus den Fenstern aufdie Truppen. In eben diesem Quartier versichern glaubwürdige Zeugen hauptsächlich;ene Aufwiegler gesehen zu haben, welche die Kämpfenden durch Austheilung vonBranntwein zu reizen suchten. Die chemische Untersuchung hat erwiesen, daß dieserBranntwein mit einem Aufguß von Gerberlohe und Taback verfälscht war, der bewirkte,daß die davon Berauschten vor Wuth schäumten und mit Säbel und Beil, mit